AirPods Max – der ausführliche Test mit Pro & Contra (Teil 2)

Nachdem es im Teil 1 eher um die äußeren Werte und um die Bedienung der AirPods Max ging, soll im 2. Teil alles auf den Prüfstand, was mit der Klangqualität und dazugehörenden Features zu tun hat. Die AirPods Max haben hier – kleiner Spoiler vorab – einiges zu bieten …

Klangqualität der AirPods Max

Die Königsdisziplin für Kopfhörer ist meiner Meinung nach ihr Klang – und hier war ich doch sehr skeptisch, ob Apple hier wirklich was Besonderes geliefert hat. Direkt nach der Ankündigung der AirPods Max am 8.12.2020 waren kurz danach ein paar Influencer-Videos auf YouTube, die vorab mit AirPods Max versorgt worden waren, zu sehen. Na ja, sie waren mehr oder weniger begeistert von den neuen Apple-Over-Ear-Kopfhörern, aber haben sich (ehrlicherweise immerhin) alle nicht als audiophil eingeschätzt. Von daher war die Aussagekraft dieser ersten Tests eher gering.

Was Klangqualität für mich heißt? Das sei vielleicht kurz erläutert. Klar, es darf nichts wummern oder verzerren, es sollte ein ausgewogenes Klangbild bestehen, das alle Frequenzen gut abzubilden vermag, ohne etwas überzubetonen oder gar in Bereichen penetrant zu sein (gerade bei billigen Kopfhörern ist das oft ein Problem). Die abgespielte Musik sollte Räumlichkeit haben und verschiedenen Instrumente sollten gut separiert werden – das ist das, was dann die wirklich guten Kopfhörer ausmacht.

AirPods Max – Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Auf dem Kopfhörerständer machen sich die AirPods Max doch gut … | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Dazu eine kleine Anekdote: Der erste Song, den ich auf den AirPods Max gehört habe, war „I’ll Tell You Someday“ von Plini (einem australischen Gitarristen) – und ich war echt beeindruckt, wie druckvoll und präzise der Song rüberkam. Ein paar Stunden später am Abend wollte ich das ganze geniale Album noch mal in Ruhe im Sessel auf den AirPods Max hören. Und genau bei diesem Song in der Mitte dachte ich auf einmal, dass da doch irgendwas aus einem meiner Regals auf den Holzboden gefallen sei. Ich habe instinktiv den Kopf gedreht. Doch was ich da hörte, war das Schlagzeug, das ein bisschen verfremdet unheimlich räumlich seinen Wiedereinstieg in den Song hatte. Ich musste die Stelle (wer es ausprobieren will: zwischen Minute 2:06 und 2:10) mehrmals hören und war immer wieder überrascht; diese räumlich so echt wirkende Abbildung war beeindruckend. Für den Test hab ich das auch mal mit den Sony WH-1000xm4 ausprobiert – der Effekt kommt da deutlich schlechter rüber. (Plinis neues Album „Impulse Voices“ ist übrigens, wenn man moderne E-Gitarren-Instrumentalmusik mag, wirklich zu empfehlen – für die AirPods Max ein Album, das die Stärke der Kopfhörer zeigt, weil es bravourös mit viel Räumlichkeit abgemischt ist.)

Dieser erste Eindruck hat sich über die nächsten Tage erhärtet, aber bevor ich das zusammenfassend erläutere, gehe ich erst mal meinen üblichen Song-Testparcours durch. Dafür höre ich mir immer fünf von mir ausgewählte Songs an:

  • Nickelback: „Bottoms Up“ (vom 2011er Album „Here and Now“): Das ist ein typischer Rocksong, dessen Power auf einem guten Kopfhörer abgebildet werden sollte: kraftvolle Drums, die gedoppelte Rhythmusgitarren, in der Mitte der Gesang (mindestens auch gedoppelt). Ja, und auf den AirPods Max passiert all das und ist gut zu hören: Der Song klingt rund und voll, kommt mit Power beim Zuhörer an – so, wie es sein soll. Die auf schlechten Kopfhörern oft verschwindenden Details des Schlagzeugs (Hihat und Becken) sind sehr gut zu hören.
  • FKA twigs: „Kicks“ (vom 2014er Album „LP1“): Der Song ist anfangs recht dünn instrumentiert, es kommen aber immer mehr Details hinzu, die sowohl im Stereopanorama wie auch in der Tiefenstaffelung komplex arrangiert sind. Und hier spielen die AirPods Max ihre ganze Stärke aus. Es sind absolut alle Details zu hören, auch der an einigen Stellen recht brachiale Synthesizer-Bass ist gut konturiert. Die virtuelle Bühne, die die AirPods Max hier aufziehen, ist beeindruckend. Das können die Sony WH-1000xm4 nicht so gut; der beyerdynamic Amiron wireless bekommt zwar die Bühne im Vergleich auch gut hin, er bleibt bei den Bässen aber deutlich blasser. (Meine Stressteststelle bei dem Song beginnt übrigens immer bei 3:56 Minuten, wenn ein Synthesizer weiter hinten im Raum von links nach rechts „flattert“ – wer sich das anhört, weiß, was ich damit meine.)
  • Elliot Moss: „Highspeeds“ (vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2015): Hier wird der Eindruck vom letzten Song bestätigt. Man hört alle Details des Songs gut heraus: die gedoppelte Stimme am Anfang ist klar zu vernehmen, wenn später Schlagzeug und die anderen Instrumente einsetzen, sind diese gut separiert mit allen Details zu hören und stets genau im Stereopanorama auszumachen. Die AirPods Max zeigen viel Transparenz, und die Stimme bleibt immer im Mittelpunkt.
  • Tori Amos: „Happiness is a Warm Gun“ (ein Beatles-Cover auf dem 2001er Album „Strange Little Girls“): Der Song ist mein Stresstest für die Bassleistung eines Kopfhörers, denn der Bass ist viel zu heftig abgemischt und wird schnell undifferenziert. Was mir hier auffällt, ist, dass die AirPods Max die Bässe an manchen Songstellen vergleichsweise leise wiedergeben – es macht fast den Eindruck, als wäre hier ein Equalizer am Werk, der den Bassanteil runterfährt. Richtig rund klingt das nicht, aber mit diesem Song haben fast alle Kopfhörer ihre Probleme.
  • Foreigner: „Tooth and Nails“ (vom Album „Agent Provocateur“ aus dem Jahr 1984): Das ist ein Song, den ich mag, der aber schrecklich mittenlastig abgemischt ist und von daher wenig Volumen hat. Den AirPods Max gelingt es, ihn aufzupeppen, so dass er gefällig, wenn auch immer noch etwas mittenbetont klingt. Das ist der einzige Song, der mir auf den Sony WH-1000xm4 leicht besser gefällt – das liegt meiner Meinung nach daran, dass die Sony weniger genau alle Details abbilden und somit hier gefälliger sind.
AirPods Max – Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Die Hörmuschel von innen in der Detailansicht. Ich gehe davon aus, dass in der Öffnung das Mikrofon für die Klanganpassung enthalten ist. | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Ich habe inzwischen viele andere Songs mit den AirPods Max gehört, und was ich zusammenfassend an ihnen schätze, sind der Detailreichtum und die Räumlichkeit, die ich bisher so noch bei keinem Bluetooth-Kopfhörer gehört habe. Die Instrumente sind – sofern der Mix stimmt – richtig gut zu unterschieden, sie sind gut im Stereopanorama wie auch in der Tiefenstaffelung auszumachen, so dass es eine wahre Freude ist. Ich habe einige Reviews auf YouTube angeschaut und im Internet gelesen, bei denen die AirPods Max klanglich mit den Sony WH-1000xm4 verglichen wurden und wo es hieß, dass es hier keinen klanglichen Sieger gibt. Das sehe ich eindeutig anders.

Die AirPods Max spielen für mich in einer höheren Liga (was sie angesichts des doppelten Preises auch sollten). Die einzigen Kopfhörer, die ich kenne und die da mithalten können, sind meine AKG K-812 – und das sind Referenzkopfhörer, die an einen Kopfhörerverstärker gehören. Sie kosten allerdings noch mal fast 300 Euro mehr und haben weder Noise Canceling noch sind es Bluetooth-Kopfhörer. Die beyerdynamic Amiron wireless geben auch viele Details wieder, aber bei ihnen ist leider der Bass die Schwäche, der kommt für meinen Geschmack dort zu kurz.

Zusammengefasst: Ich bin von den AirPods Max wirklich begeistert, und das sage ich absolut nicht, weil die Kopfhörer von Apple sind, sondern in vollem Bewusstsein meines audiophilen Verstandes; und ich habe schon sehr viele Kopfhörer (viele davon wieder verkauft, manchmal auch zurückgeschickt) im Preisrange von 150 bis 1000 Euro besessen oder zum Testen auf den Ohren gehabt … Aber: Um nur in der U- oder S-Bahn oder beim Laufen durch die Fußgängerzone Musik zu hören, dafür sind die AirPods Max eigentlich zu schade. Da tun es auch günstigere Konkurrenten. Wer sich jedoch auch mal wirklich in die Details von Songs begeben will, zurückgelehnt im Sessel, gemütlich auf dem Sofa – der ist mit den AirPods Max gut beraten. Was den Klang betrifft, hat Apple mit den AirPods Max meinen bisherigen ANC-Favoriten, die Sony WH-1000xm4, vom Sockel gestoßen – bleibt die Frage, ob ihnen das auch beim Noise Canceling gelingt.

Noise Canceling, Transparenzmodus und 3D Audio der AirPods Max

Neben Bose-Kopfhörern gehören den Sony WH-1000xm4 beim Active Noise Canceling (ANC) in allen Tests die Krone. Apple hat es geschafft, bei den AirPods Pro ein für In-Ears beachtliches ANC einzubauen – von daher konnte erwartet werden, dass die AirPods Max hier durchaus auch etwas leisten (bei den Beats-Kopfhörern wurde bisher immer gesagt, dass sie bei Noise Canceling hinterherhinken).

Ich habe die AirPods Max und die Sony WH-1000xm4 in verschiedenen Situationen getestet: Ich war draußen an befahrenen Straßen, ich habe zu Hause die Klospülung bemüht oder die laute Kaffeemahlmaschine laufen lassen. Ich habe andere im Raum sprechen lassen (belebte Fußgängerzonen gibt es wegen des Lockdowns gerade nicht). Und das Ergebnis ist, dass die beiden Geräte meiner Einschätzung nach ebenbürtig sind. Die Unterschiede, wie Außengeräusche gefiltert werden, sind marginal. Je nach Schallquelle lassen bei den höheren Frequenzen gefühlt mal die Sony, mal die AirPods Max minimal mehr durch; tiefe, gleichbleibende Frequenzen filtern beide gut – einen Sieger kann ich nicht ausmachen.

Die Krone geht dafür allerdings klar an die AirPods Max, was Apple Transparenzmodus, Sony Ambient Sound Control nennt. Der Transparenzmodus aktiviert die Außenmikrofone, so dass man Umgebungsgeräusche und vor allem Stimmen so hört, als hätte man keinen Kopfhörer auf. Und das klappt mit den AirPods Max hervorragend. Man kann sehr genau orten, wo das Geräusch herkommt, und vor allem klingt alles extrem natürlich. Ich habe das heute noch mal getestet: Selbst Stimmen aus dem Nebenraum hört man so, wie man sie ohne die AirPods Max auf den Ohren vernehmen würde. Beeindruckend. Die Sony WH-1000xm4 machen das alles auch, aber geben Stimmen und Geräusche deutlich dumpfer wieder, die räumliche Ortung von Geräuschquellen ist weniger genau möglich. Was Apple hier geleistet hat, ist wirklich herausragend.

Mit iOS und iPadOS 14 hat Apple im September 2020 3D-Audio (engl. spacial audio) eingeführt – bislang nur für die AirPods Pro, nun aber auch für die AirPods Max. Wer das Konzept von 3D-Audio nicht kennt, in ein paar Sätzen oberflächlich erläutert funktioniert es so: Wenn man auf seinem iPhone oder iPad ein Video oder einen Film schaut, wird der Ton so auf den Kopfhörer gebracht, dass der Zuhörer das Gefühl hat, der Ton kommt von dem Gerät. Das ist kein direkter Raumklang, sondern eine Simulation davon, die aber so raffiniert ist, dass man fast vergisst, einen Kopfhörer aufzuhaben. Dreht man den Kopf zum Beispiel nach links zur Seite, so kommt der Ton vornehmlich aus der rechten Hörmuschel, die dann näher am iPad oder iPhone ist. Man muss das echt mal erlebt haben – ich habe es vor ein paar Tagen erst wieder mit jemandem getestet, und die Person meinte wirklich, der Ton käme vom iPad und nicht aus den Kopfhörern, dachte, sie wären gar nicht an. Die AirPods Max beherrschen 3D-Audio nicht anders als die In-Ear-Brüder – nicht besser nicht schlechter. Aber cool ist der Effekt nach wie vor, er wird derzeit aber nur von bestimmten Apple-Serien und -Filmen auf Apple TV+ sowie Disney+ unterstützt, nicht aber von Netflix oder Amazon Prime.

So viel zur Klangqualität der AirPods Max. In Teil 3 (Link) geht es neben dem zusammenfassenden Fazit um das Smart Case und ein paar andere Beobachtungen aus der Praxis.

Ulf Cronenberg

Veröffentlicht von

Was Apple und Firmen, die sich im Apple-Universum bewegen, so alles treiben, interessiert mich schon lange. Und ab und zu habe ich etwas dazu – wie zu einigem anderen, wenn es um Musik oder Fotografie geht – zu sagen …

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Informativer Vergleich zur Soundqualität 👍
    Bin schon gespannt, wie deine Meinung zum Smartcase sein wird. Bisher scheint das ja bei den meisten Reviews durchzufallen 😉
    Ich muss auf meine AirPods Max noch zwei Wochen warten, bis ich selber hören kann, wie sie klingen.

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