AirPods Max – der ausführliche Test mit Pro & Contra (Teil 1)

AirPods Max – Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Ja, ist Apple denn von allen guten Geistern verlassen? 600 Euro für einen Kopfhörer? Damit hatte dann doch niemand gerechnet … Die AirPods Max sind wirklich premium, und da muss man schon entweder stinkreich oder superaudiophil sein, um sich diese Kopfhörer zuzulegen. Und da ich mich zur zweiten Gruppe zähle, außerdem für Apple-Sachen Geld ausgebe, das andere in große Reisen oder Autos stecken, habe ich die AirPods Max mit meiner grenzenlosen Neugierde nach kurzem Zögern doch bestellt.

Für 600 Tacken, da müssen die großen AirPods dann schon was taugen, sonst werde ich sie wieder verkaufen – das habe ich mir vorgenommen. Weihnachten hin oder her … (sie sind quasi mein Geschenk an mich selbst – „Gute Ausrede fürs Geldausgeben, Ulf!“) Somit ist der Test hier auch eine Selbsterkundung: Sind die AirPods Max es wert, sie zu behalten? Das werde ich hier ausführlich diskutieren.

AirPods Max – Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Die AirPods Max sehen nicht nur edel aus, sie sind auch durch und durch hochwertig … | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Schon lange hatte es das Gerücht gegeben, dass Apple an einem „großen“ Kopfhörer arbeitet, und lange hat es gedauert, bis sie als AirPods Max vorgestellt wurden: Als kleine Vorweihnachtsüberraschung wurden sie schließlich am 8. Dezember 2020 angekündigt, eine Woche später waren sie zu haben (sofern man schnell beim Bestellen war). Einfallsreich ist der Name ja nicht gerade (auch wenn er in das iPhone-Namensgebungs-Schema passt), im Gegenteil: Ich finde ihn irgendwas zwischen sperrig und … – fast hätte ich dämlich gesagt. Aber gut, wen interessiert am Ende der Namen. Sonys WH-1000xm4 oder beyerdynamics Amiron wireless, die ich beide in dem Test zu Vergleichszwecken ab und zu heranziehen werde, haben auch nicht gerade griffige und wohlklingende Namen …

Design und Haptik der AirPods Max

So ein bisschen old-school kommen die AirPods Max ja schon rüber mit den Hörmuschelabdeckungen aus Aluminium. Von den fünf Farben (Silber, Space Grau, Grün, Sky Blau und Pink – ich halte mich an die nicht dudenkonforme Schreibung von Apple) kam für mich wirklich nur die dunkelgraue Variante in Betracht. Das Silber ist mir zu hell und auffällig, von den Farbvarianten ganz zu schweigen. Die blauen AirPods Max sind ja schon interessant, wohl auch besonders beliebt bei den Käufern – doch ich schaue meist eher auf Zeitlosigkeit, und das Blau dürfte sich irgendwann abgenutzt haben. Und mal ehrlich: Wer zu Pink oder Grün greift, der muss in einer ganz anderen Welt als ich leben. Die finde ich wirklich hässlich.

AirPods Max – Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Mit dem Gelenk und dem herausziehbaren Teleskoparm sind die AirPods Max gut anpassbar … | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Die space-grauen AirPods Max sehen jedenfalls wirklich edel aus und halten, wenn man sie in den Händen hält, was die Werbefotos versprechen (was nicht selbstverständlich ist). Die Materialien (u. a. Aluminium für die Hörmuscheln und Edelstahl für den Bügel) wirken und sind hochwertig – kein Vergleich zu den insgesamt doch recht billig anmutenden Sony WH-1000xm4 aus Plastik. Das Hochwertige schlägt sich auch im Gewicht nieder. Laut Apple beträgt es 384,8 Gramm (die Sony wiegen mit 255 Gramm ziemlich genau ein Drittel weniger). Doch gestört hat mich das seltsamerweise bisher nicht – auch nicht nach einer Stunde Musikhören.

Die Anpassung an den Kopf ist gelungen; der Bügel, obwohl er ja nicht mal ein Polster trägt, sondern nur aus einer Art gespanntem, gewölbtem Netz besteht, verteilt das Gewicht der AirPods Max anscheinend gut auf dem Kopf. Die AirPods Max lassen sich auch gut an meine Kopfform anpassen: Den Anpressruck der Hörmuscheln finde ich sehr angenehm; sie sind nicht so locker, dass die AirPods Max leicht vom Kopf rutschen, wenn man den Kopf nach vorne neigt. Die Ohrpolster aus akustischem Memory Foam, mit einem Netzgewebe überzogen, schmiegen sich gut um die Ohren, sind nicht zu eng, und sie drücken auch nicht. Apple hat hier Gutes geleistet – die Kunstlederpolster der Sony WH-1000xm4 mag ich nämlich nur begrenzt. Unter ihnen schwitzt man schneller und sie liegen deutlich enger an den Ohren. Der Punkt geht klar an Apple, was den Tragekomfort angeht – und das ist angesichts der höheren Gewichts erstaunlich.

AirPods Max – Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Der Bügel ohne Polsterung, nur mit einem gespannten Mesh-Stoff – erstaunlich bequem | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Was bei mir zwiespältige Gefühle hinterlässt, ist die von der Apple Watch übernommene digitale Krone. Für die Anpassung der Lautstärke ist sie gut zu handhaben – das kennt man von der Apple Watch. Der Sitz der digital crown oben verwundert erst mal, aber eigentlich passt das so. Wäre sie unten, würde sich im Winter durch einen Schal oder einen hochgezogenen Jackenkragen eventuell bei Kopfbewegungen die Lautstärke verstellen, und oben ist sie mit den Händen immer gut zugänglich. Was mir an der Digital Crown nicht gefällt, ist der Druckpunkt. Einmal drücken, um die Musik zu stoppen oder wieder zu starten, macht keine Probleme. Aber das Zwei- und Dreifachdrücken für Springen zum nächsten oder vorherigen Song, das klappt nicht gut. Das liegt an der Federung und dem schwammigen Druckpunkt der Digitalkrone, und vielleicht doch auch an ihrer Position. Jedenfalls fällt es mir schwer, den Dreifachklick zuverlässig hinzubekommen. Aber gut, die Steuerung kann man ansonsten ja auch auf der Apple Watch oder dem iPhone übernehmen …

Der zweite Button ist ein ganz normaler Button, und damit lässt sich der Transparenzmodus (Umgebungsgeräusche werden hier über die Mikrofone an den Hörer weitergegeben) an- und ausschalten. Das funktioniert auch, wie es soll. Jedes Betätigen des Buttons führt zu einem Tonsignal, das für An- und Ausschalten des Transparenzmodus unterschiedlich ausfällt. Wer das Active Noise Canceling (ANC) ganz deaktivieren will, der kann das nicht an den AirPods Max tun, sondern muss das auf einem verbundenen Gerät bewerkstelligen.

Ein bisschen Techtalk zu den AirPods Max

Wer meint, Kopfhörer, das sind ein Paar Lautsprecher mit Gehäuse sowie ein paar Kabeln, der lebt wohl noch in den 1980-ern. Nein, Kopfhörer sind heute kleine Computersysteme. Wer bei iFixit die zerlegten AirPods Max gesehen hat, weiß: Die AirPods Max haben zwei Platinen, Steuerungs- und Speicherchips, Sensoren und zahllose Mikrofone – Akkus natürlich auch. Von besonderer Bedeutung sind dabei:

  • Apples H1-Chip, den man schon aus anderen Apple- und Beats-Kopfhörern kennt: Er ist dafür verantwortlich, dass die Bluetooth-Übertragung problemlos klappt. Die Besonderheit ist, dass die AirPods Max auf jeder Kopfhörerseite einen davon tragen.
  • Die Annäherungssensoren: Sie erkennen, ob der Kopfhörer aufgesetzt ist oder nicht und schalten so die Musik automatisch an und aus. Das funktioniert gut.
  • Gyro‑ und Beschleunigungs­sensoren: Sie werden für 3D-Audio (engl. spacial audio) benötigt, um die Raumklangsimulation bei Videos und Filmen zu ermöglichen. Bei ihr man das Gefühl hat, dass der Klang immer aus dem Gerät kommt – egal, wohin man guckt.
  • Insgesamt 9 Mikrofone: Neben der Aufnahme der Stimme beim Telefonieren sind sie noch für anderes zuständig. 6 Außenmikrofone erfassen den Umgebungsschall und steuern so das Noise Canceling. 2 Mikrofone sind nach innen gerichtet und nehmen auf, was man hört – sie passen den Klang noch mal zusätzlich an.

Darüber hinaus gibt es natürlich Chips für die Akku- und Klangsteuerung sowie sicher ein paar andere Finessen. Man sieht, so ein moderner Kopfhörer ist ein komplexes System. Das geht auch nicht anders, denn Techniken wie Adaptive Noise Canceling (dt. Geräuschunterdrückung), der Transparenzmodus oder Spacial Audio (auf Deutsch: 3D Audio mit dynamischem Head Tracking) sind aufwändige Prozesse, die viele Berechnungen benötigen. Das alles führt die Apple-Seite zu den technischen Daten der AirPods Max auf … Witzig: Was bei den Spezifikationen dort fehlt, ist eine sonst übliche Information über den Frequenzgang des Kopfhörers. Aber gut, ich gehe davon aus, dass die AirPods Max alles abdecken, was meine nicht mehr ganz frischen Ohren überhaupt noch erfassen können.

Bedienung der AirPods Max

Über die digitale Krone habe ich ja schon etwas gemeckert. Mit den zwei Buttons haben die AirPods Max jedenfalls ein minimalistisches Design. Die Steuerung geschieht extern über ein Apple-Gerät, über Siri (durch längeres Drücken der Krone oder „Hey Siri“ aktiviert) oder eben über die zwei Buttons. Mancher User hätte sicher gerne an den AirPods Max eine Touchbedienung, wie sie der Sony WH-1000xm4 oder der beyerdynamic Amiron bieten, gesehen. Ich bin da unentschieden, erlebe ich die Touchbedienung beim Sony doch auch manchmal als nickelig – statt die Lautstärke zu erhöhen, springt der Kopfhörer zum nächsten Song, wenn man etwas zu schief nach oben wischt.

Fragwürdig finde ich bei den AirPods Max aber ganz klar, dass man sie nicht ausschalten kann (bei den Sony WH-1000xm4 geht das). Um Akku sparen zu können, sollte das meiner Meinung nach Pflicht sein. Ich habe es heute Nacht mal getestet: Immerhin haben die AirPods Max nach knapp über 12 Stunden im Case nur einen Prozentpunkt an Ladung verloren (von 20 auf 19 %). Das ist zumindest nicht viel – müsste aber trotzdem nicht sein.

Statt dem Ausschaltknopf kennen die AirPods Max zwei verschiedene Energiespar-Modi: Vom Kopf abgesetzt gehen sie nach 5 Minuten in einen leichteren Schlafmodus, bei dem die Bluetooth-Verbindung zu dem verbundenen Gerät erhalten bleibt. Außerhalb des Cases werden sie nach 72 Stunden in den Tiefschlaf (Low-Power-Modus) versetzt – hier wird dann die Bluetooth-Verbindung gekappt, die AirPods Max werden auch nicht mehr in der App „Wo ist?“ angezeigt. Legt man die AirPods Max im Case ab, so werden sie früher (angeblich nach 18 Stunden) in den Low-Power-Modus und sofort in leichten Schlaf versetzt. Über die Wirksamkeit der beiden Energiesparmodi findet man im WWW sicher noch andere Berichte … – ich kann hier, da ich die AirPods Max erst ein paar Tage habe, noch nicht so viel beisteuern.

AirPods Max – Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Die Hörmuscheln von innen – kleines nettes Detail, dass mit dem eingewebten R und L die Hörseite markiert ist … | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Die Einrichtung der AirPods Max funktioniert, wie man es von den neueren Apple- und Beats-Kopfhörern kennt, ganz einfach: Nimmt man sie erstmals in der Nähe eines Apple-Geräts aus dem Case, wird der Einrichtungsassistent eingeblendet – man bestätigt die Koppelung. Das war’s in gut 10 Sekunden.

Den Wechsel zwischen verschiedenen Geräten beherrschen die AirPods Max so, wie man es von den kleinen In-Ear-Brüdern, den AirPods Pro (Testbericht), kennt: Startet man auf einem Mac, iPad oder iPhone Musik und hat die AirPods Max auf, wird sie dort wiedergegeben. Eingehende Anrufe werden, selbst wenn man auf einem anderen Gerät Musik hört, auf die AirPods Max umgeleitet. Das macht Apple schon gut, hat aber gestern bei einem Versuch (noch) nicht ganz 100%–ig geklappt.

Im zweiten Teil 2 (Link) des Tests geht es dann um die Klangqualität sowie die besonderen Klang-Features der AirPods Max: Noise Canceling, 3D-Audio und Transparenzmodus.

Ulf Cronenberg

Veröffentlicht von

Was Apple und Firmen, die sich im Apple-Universum bewegen, so alles treiben, interessiert mich schon lange. Und ab und zu habe ich etwas dazu – wie zu einigem anderen, wenn es um Musik oder Fotografie geht – zu sagen …

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