Vergleichstest Over-Ear-Kopfhörer – Teil 4: Beats Pro

Kaum eine Kopfhörer-Marke hat es in den letzten Jahren geschafft, so ins Gespräch und auf die Köpfe vor allem cooler Jungs zu kommen. Wie Beats by Dr. Dre, inzwischen ja von Apple aufgekauft, sich zu vermarken wusste, ist genial. Als neutral gelten diese Kopfhörer ganz bestimmt nicht – sie stehen für basslastige Beats, und in Tests schneiden die Beats-Kopfhörer auch immer vergleichsweise schlecht ab. Deswegen habe ich lange auch einen Bogen um Beats-Kopfhörer gemacht. Die Beats Pro allerdings bekamen recht gute Kritiken, und deswegen sollten sie auch mal auf meine Ohren.

Verarbeitung & Zubehör

Irgendwie machen sie schon was her: Aluminium und Edelstahl, zum Teil gebürstet, schwarzes Leder (es riecht zumindest an den Ohrpolstern echt), auf den Ohrmuscheln das unverkennbare rote b – das ist nicht nur schmuck, sondern hip. Der Schriftzug „beats by dr. dre“ oben auf dem Bügel ist allerdings etwas penetrant. Mit den vergleichsweise kleinen Ohrmuscheln haben die Beats Pro auch etwas underdog-mäßiges … Bei großen Ohren könnte es hier jedoch knapp werden.

Verdammt gut sehen sie schon aus, die Beats Pro … || Foto: Ulf Cronenberg

Über die Verarbeitungsqualität darf man jedenfalls nicht meckern: Die Ohrpolster bewegen sich mittels Scharnieren leicht in alle Richtungen, die Größenverstellung mit Metallschiene ist nicht allzu leichtgängig, lässt sich aber gut handhaben und rastet ca. in 3-mm-Schritten ein.

Mitgeliefert werden in einem hübsch designten Karton neben dem Kopfhörer und dem roten Kabel mit Fernbedienung:

  • ein rotes Ersatzkabel in Spiralform ohne Fernbedienung,
  • ein Adapter von Miniklinke auf Klinke,
  • ein Transporttäschchen mit Velourleder-Imitat sowie
  • ein kleines Handbuch.

Um den Beats Pro in das Täschchen zu stecken, muss man die Ohrmuscheln an einem Scharnier 180 Grad nach oben drehen – der Mechanismus dafür macht einen hochwertigen Eindruck. So passt der Kopfhörer dann in das Täschchen und ist vergleichsweise gut transportfähig.

Zusammengeklappt und eingetütet: der Beats Pro im Transporttäschchen || Foto: Ulf Cronenberg

Was mir auch gefällt, ist das rote Kabel. Nicht zu filigran, gut biegbar, außerdem an den Hörmuscheln beider Seiten ansteckbar – als Anschluss ein Miniklinkenstecker. So muss es sein. Die Fernbedienungseinheit ist zwar aus Plastik, aber verrichtet sehr angenehm ihre Dienste . Für Stop/Pause sowie die Lautstärkeregelung gibt es klare Druckpunkte, alles ist leichtgängig. Auch das Mikrofon klingt gut.

Tolles Kabel, gute Fernbedienung || Foto: Ulf Cronenberg

Das Zwischenfazit, was Verarbeitung und Zubehör angeht, lautet, dass der Beats Pro sehr hochwertig und funktional ist. Da gibt es absolut nichts zu meckern.

Passform und Tragekomfort

Aber ist der Beats-Kopfhörer auch bequem? Die Frage ist leider kurz und bündig mit „nicht wirklich“ zu beantworten. Oben auf dem Kopf sitzt der auf dem Kopfbügel leicht gepolsterte Kopfhörer noch ganz angenehm, aber für problematisch halte ich die Ohrmuscheln. Meine nicht allzu großen Ohren passen gerade darunter, stoßen aber leicht unten und oben am Polster an – das empfinde ich nach nicht allzu langer Zeit als lästig.

Für mal 10 Minuten unterwegs ist das alles kein Problem – aber wenn ich die Beats Pro länger aufhabe, dann fängt es richtig an zu drücken, dann gibt es vor allem auch heiße Ohren. Hier schwächelt der Pro-Kopfhörer eindeutig, und ich finde das richtig schade, denn was nützt die tolle Verarbeitung, wenn der Tragekomfort und die Passform leider schlecht sind? Modisch-hip und bequem scheinen beim Beats Pro leider nicht zusammenzugehen.

Der Klang

Beats-Kopfhörer sind bekannt für ihre basslastige Abstimmung – da macht der Beats Pro keine Ausnahme. Da ich da grundsätzlich erst mal nichts dagegen einzuwenden habe, weil es manchem meiner Hörgewohnheiten entgegenkommt, ist der Beats Pro der einzige Kopfhörer im Vergleichsfeld, bei dem ich den Equalizer gar nicht oder nur minimal bemühe. Wenn ich hier etwas verändere, dann senke ich ganz leicht die Bässe und die Höhen ab – eine Anti-Loudness-Kurve sozusagen.

Aber gehen wir die fünf Songs meines Testparcours durch:

  • Nickelback: „Bottoms Up” (vom 2011er Album „Here and Now“): Die Beats Pro sind wie gemacht für diesen Song, das muss man sagen. Das Schlagzeug am Beginn knackt, die Gitarren sind ein Brett – ja, was man da hört, ist Rockmusik, bei der Details keine Rolle spielen. Und hier macht der Beats pro einen hervorragenden Job …
  • FKA twigs: „Kicks“ (von 2014er Album „LP1“): Auch diesen filigranen Song mit den vielen Details kann man gut hören – aber der Beats Pro entlockt ihm eben nicht alles, was es zu entdecken gibt. Was die Hörbühne angeht, ist alles leicht mittig und nicht gut über einen großen Raum verteilt – das merkt man immer dann besonders, wenn der Song überbordend wird und viele Instrumente gleichzeitig zu hören sind. Dann verschwimmen diese leicht. Der Bass ist ohne Equalizer-Korrektur an manchen Stellen außerdem etwas dominant.
  • Elliot Moss: „Highspeeds“ (vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2015): So richtig glücklich bin ich hier mit dem Beats Pro nicht. Mich stört, dass die S-Laute im Gesang etwas zu sehr zischeln, dass der Song bei voller Instrumentierung leicht breiig wird – nicht schlimm, aber mit anderen Kopfhörern kann man da mehr rausholen.
  • Tori Amos: „Happiness is a Warm Gun“ (ein Beatles-Cover auf dem 2001er Album „Strange Little Girls“): Der übertriebene Tiefenbass dieses Songs klingt unerwarteterweise recht dünn – das ist eher ein Wummern, denn Bass mit Kontur. Ganz tief unten scheint sich der Beats Pro nicht mehr so richtig wohl zu fühlen …
  • Foreigner: „Tooth and Nails“ (vom Album „Agent Provocateur“ aus dem Jahr 1984): Fast habe ich es erwartet: dass der Beats Pro dem Song gut tut. Der mittenbetonten Abmischung fügt der Kopfhörer den fehlenden Bass hinzu und macht ihn gefälliger. Lou Gramms Stimme kommt schön kratzig und rau daher.

Der Beats Pro auf dem Kopfhörerständer || Foto: Ulf Cronenberg

Fazit
Verarbeitung top, Tragekomfort flop und beim Klang keine Finessen, aber alles in allem anhörbar. So könnte man den Beats Pro, der derzeit zu einem Straßenpreis von ca. 340 Euro zu kaufen ist (in Weiß z. T. günstiger), in einem Satz beschreiben. Mich wurmt es ziemlich, dass der Beats Pro, dessen Design mir gefällt, der solide verarbeitet ist, Design vor Tragekomfort setzt. Eine schlechte Entscheidung. Aber heiße Ohren und eine Druckgefühl nach spätestens 10 Minuten – das geht eigentlich gar nicht.

Klanglich schlägt sich der Beats Pro (da hatten die Tester, die ich vor dem Kauf konsultiert hatte, recht) gar nicht schlecht, sofern man die basslastige Beats-Abstimmung mag. Der Beats Pro ist was für Hörer von Rockmusik, Hip-Hop etc. Wenn es um die Abbildung von Details geht, schwächelt der Over-Ear-Hörer etwas – das Filigrane ist nicht sein Metier, die aufgezogene Bühne wirkt eher klein und mittig. Aber für unterwegs, wenn man mit dem Beats Pro durch die Stadt flanieren und gesehen werden will, ist das wohl auch niemandem wichtig. Alles in allem ist der Beats Pro eher Lebensgefühl und Statement als ein grandioser Kopfhörer – aber schlecht schlägt er sich in vielem trotzdem nicht.

Ulf Cronenberg

Und hier geht es zu den anderen Teilen des Vergleichstests (wird noch ergänzt):

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