Vergleichstest Over-Ear-Kopfhörer – Teil 2: Bowers & Wilkins P7

Ich rieche es noch: Als ich den P7 von Bowers & Wilkins vor ein paar Jahren ausgepackt habe, fiel mir zunächst einmal der unangenehme Geruch auf. Gesund roch das nicht, nach Lösungsmittel und Chemie, und das sollte bei einem Kopfhörer für 400 Euro (so viel hat er damals gekostet, seit Erscheinen der wireless-Version ist er 50 Euro günstiger) nun wirklich nicht so sein. Nach ein paar Wochen hatte sich der Geruch glücklicherweise verflüchtigt.

Verarbeitung & Zubehör
Über die Verarbeitung des P7 kann man jenseits des unangenehmen Geruchs während der ersten Wochen nicht meckern: Schafleder und Aluminium sind die bestimmenden Materialien. Das sieht alles sehr hochwertig aus. Das Design würde ich eher als retro bezeichnen. Meiner 26-jährigen Tochter gefällt es gar nicht, ich selbst bin nicht hin und weg, aber kann gut damit leben. Das ist eben solides britisches Design, nicht richtig modern, nicht völlig hausbacken, eher etwas für die Generation 40+ – und da eher für die gesetzteren Leute als für die flippigen.

Der B & W P7 mit seinem Retro-Design … || Foto: Ulf Cronenberg

Einiges gefallt mir richtig gut:

  • Das Kabel ist eines der besten in dem Vergleichtest-Feld: Es ist nicht zu steif, aber wirkt doch solide. Es lässt sich vor allem austauschen. Dafür muss man das Polster abnehmen – das geht einigermaßen einfach. Standardmäßig hat das angeschlossene Kabel eine Fernbedienung für Mobilgeräte, es liegt aber auch ein Kabel ohne Fernbedienung bei, das man verwenden kann.
  • Die Fernbedienung (Play/Pause, lauter und leiser) im Kabel ist auch richtig gut verarbeitet: Die Druckpunkte sind angenehm und sie wirkt haltbar – ebenfalls ein großes Plus im Vergleichstest-Feld.
  • Sehr gut gefällt mir auch die Transporttasche: Mit ihr lässt sich der B&W P7 gut transportieren. Sie ist nicht aus Leder, sondern Kunststoff, aber trotzdem sehr durchdacht. Der Verschluss ist magnetisch und funktioniert sehr gut.
  • Das Mikrofon in der Fernbedienung ist auch richtig gut und liefert eine hervorragende Sprachqualität.

Was das Zubehör und die Verarbeitung angeht, hat B&W also wirklich Herausragendes geleistet. Da kann man wirklich die Note 1- vergeben. Am kritischsten ist vielleicht der Mechanismus der Größenverstellung, der etwas schwergängig ist. Aber wirklich störend ist das nicht. Und insgesamt wirkt der P7 langlebig und robust. Diese Ohrpolster dürften jedenfalls nicht nach Ablauf der Garantiezeit das Zeitliche segnen …

Die mitgelieferte Transporttasche des P7 – für einen Over-Ear-Kopfhörer vergleichsweise handlich. || Foto: Ulf Cronenberg

Passform und Tragekomfort
Die Ohrmuscheln des P7 sind anders, als die der meisten anderen Over-Ear-Kopfhörer: nicht rund, sondern in gerundeten Rechtecksform. Sie passen gut über meine Ohren, aber ich kann mir vorstellen, dass es bei Menschen mit sehr großen Ohren knapp werden könnte. Die Bauform ist geschlossen, das heißt, die Ohrmuschel dämpft Geräusche von außen und verhindert, dass die Musik allzu laut nach außen dringt. Das heißt natürlich auch, dass es hier warm werden kann, wenn man den P7 länger trägt. Aber anscheinend gleicht das Leder gut die Temperatur aus, jedenfalls hatte ich damit keine Probleme – im Gegensatz zu manch anderem geschlossenen Over-Ear-Kopfhörer.

Der Bügel, der auf dem Kopf sitzt, ist mit Leder verkleidet und leicht gepolstert. Richtig bequem ist er nicht, nach längerem Hören (wir sprechen hier von mehr als 30 Minuten) spüre ich doch einen leicht Druck, der nicht wirklich angenehm ist. Die Ohrmuscheln werden auch eher fest ans Ohr gedrückt – für unterwegs macht das aber durchaus Sinn, denn der P7 hält gut am Kopf und rutscht bei Kopfbewegungen nicht vom Kopf. Insgesamt zählt der P7 aber nicht zu den bequemsten Kopfhörern des Vergleichstest-Felds. Da ist Luft nach oben.

So wird der P7 in der Transporttasche verstaut. || Foto: Ulf Cronenberg

Der Klang
Bowers & Wilkins ist bekannt für einen hohen audiophilen Anspruch – ins Kopfhörer-Business ist die britische Firma allerdings erst spät eingestiegen: im Jahr 2011. Der P7 war lange das Topmodell der Firma, seit kurzem gibt es mit dem P9 Signature ein Premium-Modell, das noch einiges mehr kostet.

Als linear würde ich den Klang des Kopfhörers nicht beschreiben, er betont minimal Bässe und Höhen, und meine empfindlichen Ohren stören da vor allem die Höhen, die ich als leicht schneidend erlebe. Da ich es durchaus mag (davon war ja in der Einführung zum Test zu lesen), wenn bei Rockmusik die Bässe betont werden, verwende ich selbst den P7 eigentlich immer mit einer Equalizer-App. Nur so klingt er, wie ich es mag: druckvoll bei Rockmusik, nicht zu höhenlastig bei aller anderen Musik.

Aber gehen wir nun mal die fünf Songs meines Testparcours durch – allerdings mit meinen Equalizer-Einstellungen:

Meine bevorzugten Equalizer-Einstellungen für den B&W P7

(Die Kurve sieht brachial aus, was allerdings aber auch an der Darstellungsweise der App liegt.)

  • Nickelback: „Bottoms Up“ (vom 2011er Album „Here and Now“): Auch ohne Equalizer klingt der Rocksong schon nicht schlecht, aber hinzugefügte Bässe und beschnittene Höhen machen ihn rockiger und er bekommt Volumen. Ob man nachjustiert, ist Geschmacksache.
  • FKA twigs: „Kicks“ (von 2014er Album „LP1“): Der Song klingt nicht schlecht, aber er zeigt auch die zwei Schwächen, die der P7 in meinen Augen hat. Neben der leicht Undifferenziertheit im Bass, die weiter unten beschrieben wird, ist das vor allem eine fehlende Räumlichkeit. Ich mag es, wenn sich bei Kopfhörern eine Bühne auftut, in der man die Instrumente verorten kann. Groß ist diese Räumlichkeit beim P7 nicht. Man hat bei FKA twigs‘ Song das Gefühl, dass die Instrumente eben links, rechts oder in der Mitte sind – aber dass sie richtig über den Raum verteilt sind, das spürt man beim P7 deutlich zu wenig. Zudem verschwimmt bei diesem sehr filigran gemischten Song mit vielen Details alles auch leicht.
  • Elliot Moss: „Highspeeds“ (vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2015): Bei diesem Song geht es mir ähnlich wie beim vorangegangenen Track, auch wenn es hier deutlich weniger zu Tage tritt. Die Unterschiede in der gedoppelte Gesangsstimme kann man hier gut heraushören, Gitarre und Keyboard sind aber eben wieder zu nah an der Stimme und nicht woanders zu verorten.
  • Tori Amos: „Happiness is a Warm Gun“ (ein Beatles-Cover auf dem 2001er Album „Strange Little Girls“): Mit dem zu basslastig abgemischten Track kommt der P7 ohne Probleme zurecht, selbst wenn man die obigen Equalizer-Einstellungen noch hinzunimmt. Aber es zeigt sich auch, dass die Bässe nicht so ganz konturiert sind. Ihnen fehlt es leicht an Differenziertheit.
  • Foreigner: „Tooth and Nails“ (vom Album „Agent Provocateur“ aus dem Jahr 1984): Mit dem schlecht abgemischten Song kommt der P7 gut zurecht. Er wirkt mit den oben gezeigten Equalizer-Einstellungen jedenfalls nicht mehr so leblos. Schaltet man allerdings die Equalizer-Korrektur ab, so wird es anstrengend: Die Höhen dominieren und der Song wird unanhörlich schrill.

Der P7 auf einem Kopfhörer-Ständer

Fazit

Der P7 von Bowers & Wilkins ist ein gut gefertigter, solide verarbeiteter, langlebig wirkender Kopfhörer, der durch die Kombination von Leder und Aluminium sowie Chrom sehr hochwertig wirkt. Auch Kabel und Fernbedienung wissen zu überzeugen. Allerdings könnte der P7 etwas bequemer auf dem Kopf sitzen. Und die chemischen Gerüche in den ersten Wochen haben auch einen negativen Eindruck hinterlassen.

Während die Verarbeitung sein großes Plus ist, schwächelt der nicht gerade günstige Kopfhörer allerdings beim Klang – was bei einem renommierten HiFi-Hersteller nicht zu erwarten gewesen wäre (zeigt sich hier doch, dass B&W bei Kopfhörern wenig Erfahrung mitbringt?). Man kann vieles mittels eines zwischengeschalteten Equalizers ausgleichen. Aber ohne ihn wirkt die Musik manchmal zu flach, vor allem die Höhen sind mir zu schneidend. Insbesondere fehlt mir jedoch eine differenzierte Räumlichkeit bei der Darstellung der Instrumente – da steht einfach alles zu nah beisammen.

Ulf Cronenberg

Und hier zu den anderen Seiten des Vergleichstests (wird noch ergänzt):

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Ulf,
    das klIngt insgesamt für den Preis nicht so prickelnd. Ich bin auf die anderen Kopfhörer gespannt!
    Kleines Detail im Screenshot: Dream Theater ??
    Viele Grüße
    Markus

    • Hallo Markus,
      du fasst es richtig zusammen. Für 400 Euro, das wirst du sehen, bekommt man mehr. Ich war echt etwas enttäuscht von B&W, wo ich doch ein großer Freund des B&W Zeppelins bin.
      Gut gesehen, das Detail … 🙂
      Viele Grüße
      Ulf

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