Tipps & Tricks für iOS: Equalizer-App für Kopfhörer

iOS hat schon immer einen Equalizer integriert (zu finden in den Einstellungen unter Musik > EQ), der allerdings nur von Apple bereitgestellte Presets anbietet. Für eine genauere Anpassung von Musik an die eigenen Hörgewohnheiten oder zum Ausgleich von Kopfhörer-Schwächen reicht das meist nicht aus. Was kann man tun? Seine Musik mittels einer App abspielen lassen, die einen ordentlichen Equalizer integriert hat. Und ich habe auch eine Empfehlung.

Es gibt mehrere Apps, die das leisten. Um zwei außer der von mir gleich vorgestellten zu nennen: Da ist der VOX Music Player von Coppertino – eine App, die sehr stylish aussieht, mit der aber Equalizer-Anpassungen etwas weniger leicht vorzunehmen sind. Hinzu kommt, dass VOX nur eine iPhone-App ist und auf einem iPad nicht gerade gut aussieht. Außerdem gibt es da noch Denon Audio. Die App ist kostenlos, den Equalizer muss man aber für knapp 2 Euro per In-App-Kauf erwerben.

Lange hatte ich die Denon-App in Verwendung, aber sie ist seit zwei Jahren nicht mehr aktualisiert worden und könnte hier und da etwas Feinschliff gebrauchen. Deswegen bin ich vor einem Jahr auf eine App der Firma Audioforge, die den bezeichnenden Namen Equalizer (iTunes-Direktlink) trägt, umgestiegen.

Auch Equalizer, das derzeit in Apples App Store 2,99 Euro kostet und auf iPhone und iPad läuft, hat seine Schwächen, aber die Klangregelung ist hier meiner Meinung nach am besten.

Über die Benutzeroberfläche (ich zeige hier nur Screenshots der iPhone-Version) kann man streiten. Sie sieht manchmal ganz hübsch aus.

Equalizer von Audioforge - Screenshot

Ingesamt ist sie in vielem aber eher unübersichtlich, und die Bedienung oft etwas umständlich. Es hat gedauert, bis ich z. B. herausgefunden habe, wie man innerhalb eines Titels vor- und zurückspulen kann (indem man die Steuerungsleiste unten mit einem Finger nach links oder rechts verschiebt). Intuitiv ist hier auch anderes nicht gerade.

Doch was für mich am meisten Bedeutung hat, ist eben die Klangnachregelung, und hier arbeitet Equalizer zuverlässig und lässt sich gut bedienen.

Equalizer von Audioforge - Screenshot

In der Frequenz-Kurve lassen sich die Punkte einfach verschieben und somit Frequenzen anheben oder absenken. Der Q-Faktor (zwischen 0 und 1 – je kleiner der Wert, desto breiter ist an der korrigierten Stelle die Kurve) lässt sich manuell oben als Zahl verändern. Das geht, ein bisschen Equalizer-Grundkenntnisse vorausgesetzt, recht gut.

Neben den voreingestellten Presets lassen sich eigene Presets definieren und sogar zwischen mehreren Geräten über iCloud synchronisieren.

Equalizer von Audioforge - Screenshot Presets

Ich habe so z. B. für meinen Bowers & Wilkins P7 ein Preset erstellt. Das ist ein sehr guter Kopfhörer, der mir aber zu höhenbetont ist. Langes Hören tut hier meinen Ohren weh (die sind da sehr empfindlich) – mit Equalizer kein Problem: Höhen abgesenkt, Bässe ein bisschen knackiger gemacht. Seitdem ist der P7 eine Pracht. Sein Stärke ist nämlich der Detailreichtum – man hört wirklich kleinste Nuancen, zudem sind die Bässe sehr differenziert und nicht matschig. Aber das nur am Rande …

Equalizer von Audioforge ist wirklich eine Empfehlung wert, auch wenn es (wie die anderen beiden Apps) einen Nachteil hat: Die Musik muss auf dem iOS-Gerät vorhanden sein, kann also nicht über die App aufs iOS-Gerät gestreamt werden – wer Apple Music oder iTunes Match hat, muss die Songs also vorher runterladen. Dann hat Equalizer auch Zugriff auf die eigene Musik-Bibliothek.

Im Vergleich der Equalizer zwischen dem VOX Music Player, Denon Audio und Equalizer hat für mich die App von Audioforge den Sieg davon getragen. Ich würde mir nur wünschen, dass man die Benutzeroberfläche noch mal etwas überarbeitet.

Ulf Cronenberg

[Update 27.05.2016]
Am 24. Mai 2016 hat Audioforge Labs Inc. Version 5.0 von Equalizer freigegeben. Darin enthalten sind vor allem Veränderungen an der Benutzeroberfläche, die meiner Meinung nach positiv sind. Vor allem auf dem iPad (auch auf dem großen iPad Pro) sieht die App nun deutlich besser und übersichtlicher aus. Aber auch auf dem iPhone ist die App gefälliger. Equalizer ist nach wie vor kein GUI-Schmuckstück, aber trotzdem die beste Equalizer-App für iOS, die ich kenne.

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Was Apple und Zubehörhersteller so alles treiben, interessiert mich schon lange. Und ab und zu habe ich etwas dazu – wie zu einigem anderen, wenn es um Musik oder Fotografie geht – zu sagen …

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Tolle Beschreibung und sehr hilfreich. BeiAppleMusic funktioniert es aber auch bei heruntergeladenen Songs nicht? Gib es einen Trick?

    • Ich nutze AppleMusic nicht, aber meines Wissens geht es mit heruntergeladenen Songs nicht, weil AppleMusic diese mit einem DRM versieht, und damit kann Equalizer nicht auf die Songs zugreifen.
      Die Lösung wäre, dass Apple Equalizer als Extension in iOS erlaubt, so dass allgemein im System der Equalizer bei der Soundausgabe greift. Aber das gibt es bisher nicht, und es ist fraglich, ob Apple das implementieren wird.

  2. Kann man mit den empfohlenen Equalizern auch mit anderen Audioquellen, z.B. der Podcast App nutzen? Ich habe das Problem einer leichten Hörbehinderung insbesondere im normalen Sprachbereich und würde diese Frequenzen gern bei den gesprochenen Beiträgen betonen.
    Vielen Dank im Voraus

    • Leider heißt die Antwort meines Wissens nein. Apple erlaubt nicht, dass man sich in die Apple-Apps einklinkt. Man hat mit Equalizer nur Zugriff auf die auf dem Gerät abgespeicherte Musik-Mediathek, und nur wenn diese kein DRM hat (was sie hat, wenn man Apple Music verwendet).

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