Test und Erfahrungsbericht: Der neuer Apple Pencil für das iPad Pro mit Face ID (2018)

Teaser-Bild Apple Pencil 2

Gerüchte über eine Neuauflage des Apple Pencil gab es schon lange. Als dann Ende Oktober 2018 ein neues iPad Pro (mit Face ID; Test hier) vorgestellt wurde, war es so weit: Version 2 des digitalen Stifts wurde Realität. Seit fast drei Monaten ist das iPad Pro mit dem Pencil nun bei mir in Gebrauch, und ich bin nach wie vor sehr zufrieden mit dem Gerät. Einzig die etwas harten Kanten des iPad, die längeres Halten nicht richtig angenehm machen, stören mich. Bleibt die Frage, wie sich der Apple Pencil in Version 2 schlägt. Es wird Zeit, auch hiervon zu berichten.

Die Neuinkarnation des Apple Pencil ist sicher keine Revolution, aber es wurde einiges verbessert – alles Dinge, die vorher mitunter genervt haben. Darunter fällt zum einen der Ladevorgang – das Ein- und Ausstöpseln am Ligthning-Port entfällt endlich, denn der Apple Pencil wird induktiv an der rechten Seite des iPads geladen. Dort wird er magnetisch angedockt. Das ist praktisch, weil man den Apple Pencil so gut weglegen kann, wenn er nicht benötigt wird; er bleibt aber griffbereit. Bei normalen Bewegungen löst sich der Pencil auch nicht – die Stärke des magnetischen Halts ist gut austariert.

Apple Pencil – Version 2018

Der Apple Pencil, angedockt am iPad Pro – so wird er auch induktiv geladen … | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Neu ist auch die Form des Apple Pencil. Der alte Pencil war kreisrund und liebte es deswegen, auf glatten Tischplatten wegzurollen. Jetzt heftet man den Pencil mit der flachen Seite entweder an die Seite des iPads (und er wird automatisch, wenn nötig, gleich geladen) oder man legt ihn auf den Tisch. Dank einer abgeflachten Seite rollt er nun eben nicht mehr weg. Sehr praktisch.

Was das Schreibgefühl angeht, hat sich nicht allzu viel verändert. Die Stiftspitze scheint noch immer die gleiche zu sein (zumindest von außen), das Schreibgefühl damit auf der iPad-Oberfläche scheint mir identisch. Auch bei der Druckempfindlichkeit und in Bezug auf Berücksichtigung des Neigungswinkel bemerke ich keine Unterschiede. Dafür liegt der neue Apple Pencil leicht besser in der Hand. Auch das liegt an der schon beschriebenen Anti-Roll-Seitenfläche, die in der Hand für mehr Grip sorgt. Zudem ist die Oberfläche des Stifts nicht mehr glatt und glänzend, sondern leicht mattiert und damit weniger rutschig.

Apple Pencil – Version 2018

Mit der Kerbe erinnert der neue Apple Pencil eher an einen Bleistift als die Vorversion. Formschön ist er allemal … | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Nichts geändert hat sich bezüglich der Kapazität des Akkus im Apple Pencil, das ist – ohne Daten zu kennen – meine Einschätzung. Wie schon Version 1 lässt sich in ein paar Minuten die Ladung auf ca. 10 Prozent bringen, so dass man für eine knappe Stunde damit arbeiten kann. Die volle Ladung gestattet sicher Schreiben und Zeichnen über einen Arbeitstag hinweg – das sollte kein Problem sein. Aber bei der Neuversion des Pencil mit induktivem Laden hat sich die Verwendung des Apple Pencil sowieso verändert, so dass er in Arbeitspausen, wenn die Akkukapazität zur Neige geht, automatisch an der magnetischen Haltevorrichtung geladen wird. Das passiert übrigens nicht immer, wenn der Pencil angedockt ist, sondern hier werden die Füllstände der beiden Akkus (iPad und Pencil) berücksichtigt. Ein fast voll geladener Apple Pencil wird jedenfalls nicht jedes Mal wieder auf 100 % gefüllt.

Zwei Randnotizen zum Apple Pencil an der Stelle: Beim Andocken wird oben am iPad-Bildschirmrand ein kurzes Overlay eingeblendet, das die Koppelung bestätigt und den Ladezustand mitteilt. Und der Apple Pencil benötigt natürlich weiterhin Bluetooth, um seine Daten zu übertragen.

Apple Pencil – Version 2018

Die flache Seite des Pencil mit Aufdruck – damit man nicht vergisst, wie der Stift heißt … 😉 | Foto: Ulf Cronenberg

Eine neue Funktion hat der Pencil auch spendiert bekommen – ein Doppeltippen in Spitzennähe löst eine Aktion aus. Standardmäßig ist das in den meisten Apps das Umschalten zwischen Stift und Radiergummi. Manche Apps erlauben jedoch, eine andere Aktion (z. B. den Wechsel des Stifts) damit zu verbinden. Man könnte sich natürlich digitale Stifte vorstellen, die noch mehr beherrschen, indem sie mehrere sensible Flächen oder Buttons haben … Aber simplicity ist bei Apple einmal mehr Trumpf.

Wahrscheinlich ist das auch gut so, denn die sensible Tipp-Fläche hat auch einen Nachteil. Es kommt manchmal vor, dass man aus Versehen den Doppeltipp auslöst, ohne es zu bemerken; und dann wundert man sich, warum der Apple Pencil auf einmal nicht mehr schreibt oder malt. Wer das Problem öfter hat, kann die Funktion in den Einstellungen unter iOS (dort gibt es einen eigenen Eintrag für den Apple Pencil) deaktivieren. Dabei sieht man auch gleich, dass man generell durch das Tippen zwei andere Aktionen auslösen kann:

Einstelllungen für den Apple Pencil 2

In den iOS-Einstellungen kann man auswählen, was bei einem Doppeltippen passiert …

Manche Apps erlauben darüber hinaus, weitere Aktionen mit dem Doppeltippen zu verbinden. In Adobe Photoshop Sketch (das neben Procreate und Paper) meine Lieblings-App fürs Zeichnen ist) lässt sich z. B. über das Doppeltippen auch in das Bild hinein- und herauszoomen.

Ob die Funktion mit dem Doppeltippen wirklich der Weisheits letzter Schluss ist, kann man diskutieren. Sie ist praktisch, aber eben auch fehleranfällig. Zuverlässiger wäre sicher eine virtuelle Radiergummifläche an der Oberseite des Stifts, wie man es von Stiften bei Wacom-Tabletts kennt. Aber wahrscheinlich ist das mit der Technik, die Apple für den Pencil verwendet, schwerer zu realisieren …

Fazit

Es bleibt dabei, der Apple Pencil bleibt vom Mal- und Schreibgefühl her das Beste auf dem Markt. Er arbeitet mit dem aktuellen iPad Pro praktisch verzögerungsfrei, er erlaubt über den verwendeten Druck und die Stiftneigung sehr schön echte Stifte zu simulieren, und er liegt gut in der Hand. Version 2 hat alles in allem einiges dazugewonnenen: Vor allem das induktive Laden in Verbindung mit dem Andocken an der iPad-Seite ist ein großes Plus gegenüber dem fummeligen Koppeln und Laden über den Lightning-Port. Auch die Möglichkeit über das Doppeltippen zwischen Stift und Radiergummi (oder anderen Aktionen) hin und her zu wechseln, ist ein Fortschritt – hier stört jedoch, dass das Doppeltippen auch schnell mal versehentlich ausgelöst wird.

So bleibt Apple für den Pencil in Version 3 noch Raum für Verbesserungen. Aber die Richtung stimmt, der Apple Pencil 2 macht vieles besser als der sowieso schon gute Pencil 1.

Ulf Cronenberg

Passende weitere Testberichte:
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Test: Smart Keyboard Folio für das iPad Pro mit Face ID (2018)

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Was Apple und Firmen, die sich im Apple-Universum bewegen, so alles treiben, interessiert mich schon lange. Und ab und zu habe ich etwas dazu – wie zu einigem anderen, wenn es um Musik oder Fotografie geht – zu sagen …

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Ulf,

    als das neue iPad herauskam und ich es erstmals in der Hand hielt (die 11″-Version) war ich hin und weg. Geiles Design. Schön kleiner Rand. Leicht. Schnell. Toll. Ich war drauf und dran, mein 2. Generation iPad Pro 12″ zu verkaufen, um mir das gefühlt kaum kleinere Modell zu holen. Dann trudelten die ersten Meldungen über verbogene Geräte in meinem Feed ein. Ich sah, wie leicht sich dieses Tablett zerbrechen lässt. Und noch zig andere Dinge, die beim neuen iPad Pro nicht “rund laufen”. Ich habe das mit dem Kauf dann gelassen.

    Grundsätzlich finde ich die neue Version aber sehr, sehr schick. Mal schauen, wie sich die nächste Generation macht. Ich hoffe jedenfalls, dass bei deinem Modell alles in Ordnung ist.

    Ansonsten bin ich von Apple gerade extrem genervt. iBooks Author ist derzeit eine Katastrophe. Bei meinen größeren Büchern dauert es über 4 Minuten, bis ich einen aktuellen Stand gespeichert habe. Die Rechtschreibkorrektur lernt nicht. Sie kann nur “Schreibweise ignorieren”. Geht auch nur bis zum nächsten Start. Zwischendurch sehe ich ständig (alle paar Minuten) den Beachball und muss warten. Ich habe einen iMac mit Core i7 und 3,5 GHz. mit 16 GB RAM. Ist das zu wenig für eine Autorensoftware? Ich finde das extrem frustrierend.

    • Hallo Jörn,
      ich glaube ja, dass das mit dem Verbiegen und den verbogenen Geräten übertrieben und aufgebauscht ist. Mir ist jedenfalls nichts aufgefallen bei meinem großen iPad. Was soll sonst nicht rund laufen? Hab noch was vom Pencil, der am Rand leicht blockiert gelesen – aber jemand meinte, dass das nur Klebereste von der Schutzfolie seien. Wenn man da ordentlich putzt, geht alles. Scheint mir auch aufgebauscht. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden, nur war eben die alte Version schmeichlerischer in der Hand gelegen. Sonst ist alles gut.
      Und iBooks Author: Mit den vielen Bildern in deinen Büchern ist das vielleicht zu viel für die Software (das müssen ja riesige Dateien sein). Schon mal überlegt, die einzelnen Kapitel in einzelnen Dateien zu verfassen und zu pflegen und vor dem Abschicken dann einmal zusammenbauen?
      Gab für iBooks Author schon lange kein Update mehr. Schade. Wird nicht gut gepflegt von Apple …
      Viele Grüße, Ulf

  2. Hallo Ulf,

    das letzte Update war vor 4 Monaten. Scheint mir jetzt nicht so lange her zu sein. Aber selbst wenn es letzte Woche gewesen wäre: Die Software läuft nicht mehr rund. Ich bin total genervt davon. So schlecht habe ich das nie erlebt.

    Aber es stimmt. Einige meiner Bücher sind extrem groß. Das war aber früher auch kein Problem. Warum geht das jetzt nicht mehr?

    iPad Pro und aufgebauscht? Glaube ich mal nicht. Es gibt ja definitiv Berichte im Web, die genau das beschreiben. Das mit Klebefolien Rückständen auf dem Display könnte aber eine gute Erklärung zumindest für die Pencil-Probleme sein.

    • Ich glaube da trotzdem nicht dran. Das iPad Pro wird millionenfach verkauft, da haben mal 30 ein großes Problem, weil ihr iPad verbogen ist, da stürzen sich die einschlägigen Medien drauf – mir ist jedenfalls nichts von Massen, die sich beschweren, bekannt …
      Ist doch genau das gleiche Muster beim Aktienwert von Apple. Die iPhone-Verkäufe gehen zurück (ja, muss ja irgendwann so sein), darauf verlieren die Aktien fast ein Viertel an Wert. Dabei fährt Apple weiterhin geschätzt fürs nächste Quartal 55 bis 59 Milliarden Umsatz (statt wie 2018 61 Milliarden). Im letzten Quartal gab es 20 Milliarden Gewinn … Das ist alles irgendwie lächerlicher Hype.

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