Test: beyerdynamic iDX 160 iE

Mit den beyerdynamic iDX 160 iE gibt es ein neues In-Ear-Topmodell der Firma aus Heilbronn, das ich mir unbedingt anschauen wollte, da es zu dem, was ich schätze, gut passt. Denn: Die Suche nach den perfekten Ohrstöpseln für das Musikhören unterwegs ist für mich einerseits längst zu Ende. Ich habe sie in den Otoplastiken von beyerdynamic gefunden, die einfach das bequemste sind, was mir je bei In-Ear-Kofphörern untergekommen ist. Seit mehreren Jahren verrichten sie jetzt bei mir ihren Dienst und passen noch immer wie an- bzw. ausgegossen – sind sie ja auch. Damals bin ich nach Bad Kissingen zur nächsten KIND-Filiale gefahren (inzwischen gibt es auch in Würzburg eine) und habe den 120 Euro teuren Gutschein eingelöst. Mein Ohrkanal wurde mit einer Paste gefüllt, die schnell härtet, daraus wurden dann meine individuellen Ohrpassstücke gefertigt.

Welches Kopfhörersystem jedoch andererseits in den Otoplastiken steckt – da bin ich noch auf der Suche nach dem Optimum. Klanglich gefallen mir bisher am besten die erst vor vier Monaten getesteten beyerdynamic MMX 102 iE, und die verwende ich seitdem auch. Davor waren es die Vorvorgänger MMX 100, ab und zu hatte ich auch die Fischer Audio Consonance, die ebenfalls an die Otoplastiken passen, im Ohr.

Was meine bisherigen Favoriten, die beyerdynamic MMX 102 iE, angeht, so habe ich nach wie vor am Klang nichts auszusetzen. Allerdings gefällt mir die Kabel-Fernbedienung nur begrenzt – u. a. wegen der fehlenden Möglichkeit, die Lautstärke zu justieren. Zudem ist das Kabel zwar angenehm filigran, scheint mir jedoch nicht gerade robust und dauerhaft haltbar. Bei den MMX 100 mit einem ähnlich filigranen Kabel habe ich über drei oder vier Jahre hinweg jedenfalls vier Exemplare benötigt – immer gab es irgendwann einen Weckelkontakt im Kabel – bevorzugt am Miniklinkenstecker, der wohl am meisten beanspruchten Stelle des Kabels.

Tja, und nun sind von beyerdynamic die iDX 160 iE da – etwas teurer als die MMX 102 iE (120 statt 90 Euro), aber als hätte Beyerdynamic meine Kritik gehört, wurde vor allem am Kabel und an der Fernbedienung einiges geändert.

Test: beyerdynamic iDX 160 iE

Abb.: Die Akustikwandler der iDX 160 iE mit Standard-Ohrpassstücken

Aussehen und Zubehör

Ganz leicht wuchtiger kommen die iDX 160 iE am Ohr, wo der – wie das bei beyerdynamic heißt – „Neodym-HD-Akustikwandler“ sitzt, daher. Dafür sollen sie auch einen leicht profunderen Bass als die MMX 102 iE liefern. Das Gehäuse der Wandler ist jedenfalls aus Aluminium und damit wohl recht robust.

Die wesentliche Änderung betrifft jedoch das Kabel: Die iDX 160 iE haben ein schwarzes Flachkabel, das etwas strapazierfähiger als das dünne Kabel der MMX 102 iE sein dürfte. Understatement ist das nicht mehr ganz, aber aufdringlich wirkt es dennoch nicht.

Test: beyerdynamic iDX 160 iE

Abb.: Die Fernbedienungseinheit am Flachkabel

Worüber ich mich jedoch besonders freue, ist die Fernbedienungseinheit. Endlich kann ich damit auch die Lautstärke justieren, die angenehm zu bedienende Schaltwippe macht es möglich. In der Mitte liegt der An-/Aus-Knopf für Musik oder für das Annehmen bzw. Beenden von Gesprächen. Damit kann man bei iPhone, iPod touch oder iPad wie gewohnt durch Mehrfachdrücken auch einen Song vor- oder zurückspringen. Der Druckpunkt des Fernbedienungsknopfs ist deutlich verbessert im Vergleich zu dem schwammigen Knopf der MMX 102 iE. Ja, so soll es sein. Dass in die Fernbedienung auf der Rückseite auch ein Mikrofon eingebaut ist, das im Großen und Ganzen gut klingt, ist eigentlich selbstverständlich. Das Mikrofon sollte man – das ist bei anderen Modellen mit Fernbedienungseinheit nicht anders – zur besseren Verständlichkeit am besten mit der Hand in Mundnähe halten.

Das Set der iDX 160 iE beinhaltet außerdem verschiedene Ohrpassstücke, sie liegen in sieben verschiedenen Größen und Formen bei:

  • fünf Paar Standard-Ohrpassstücke in fünf Größen
  • ein Paar mit Doppelflansch
  • ein Paar mit Dreifachflansch und
  • eines aus Schaumstoff in Größe M vom renommierten Hersteller ComplyTM

Ich habe die beiliegenden Ohrpassstücke nur kurz ausprobiert und will deswegen nichts weiter darüber schreiben. Angesichts der vielfältigen Varianten sollte jedoch für jedes Ohr etwas dabei sein.

Wer die zusätzlichen 120 Euro nicht scheut, sollte jedoch zu den individuellen Otoplastiken greifen, die ich so schätze. An deren Tragekomfort können die Standardpassstücke einfach nicht herankommen. Gut übrigens, dass die Otoplastiken bisher an alle beyerdynamic-In-Ear-Modelle gepasst haben, die ich getestet habe. Ich verwende so seit fast sechs Jahren die gleichen Otoplastiken.

Etwas ungewöhnlich ist, was beyerdynamic hinter der Fernbedienungseinheit (die im Gegensatz zu den MMX 102 iE übrigens am Kabel zum rechten statt zum linken Ohr liegt) mit dem Kabel gemacht hat. Die beiden Kabel zu den Ohren werden zusammengeführt, danach enden sie sofort in einer Buchse mit Miniklinke. Den Weg zum Mobilgerät legt man dann mit einem zweiten Kabel (von beyerdynamic Verlängerungskabel genannt) zurück, das 90 cm lang ist.

Test: beyerdynamic iDX 160 iE

Abb.: Das angebrachte Verlängerungskabel mit Befestigungsclip

Anfangs war ich erst irritiert von der Kabelführung, bis mir klar geworden ist, dass ein Kabelbruch am Stecker nun kein größeres Problem mehr ist. Man tauscht das Verlängerungskabel aus, der Rest der Kopfhörer kann weiterverwendet werden. Praktischerweise liegt den iDX 160 iE gleich ein zweites Verlängerungskabel bei, so dass man das zweite als Ersatz verwenden kann, sollte das erste seinen Geist aufgeben.

Neu ist auch, dass der vierpolige Mini-Klinkenstecker angewinkelt ist und das Kabel im 45 Gradwinkel wegführt – das dürfte ihn etwas weniger kabelbruchanfällig machen, auch wenn er nun etwas weiter aus meinem iPhone herausragt. Ein Clip zur Befestigung an der Kleidung, der an das Verlängerungskabel gehört, ist ebenso als Zubehör dabei wie ein Adapterstecker für VoIP und ein Adapterstecker für ein zweites Paar In-Ear-Kopfhörer. Zu guter Letzt beinhaltet das Set der iDX 160 IE eine neu gestaltete Hardcase-Aufbewahrungstasche.

Test: beyerdynamic iDX 160 iE

Abb.: Das Hardcase zur Aufbewahrung

Das Hardcase erinnert von Form und Aufmachung sehr an eines, das ich einmal bei den Tour In-Ear-Kopfhörern von Beats hatte, die mir klanglich jedoch nicht sonderlich zugesagt haben, so dass ich sie wieder verkauft habe. Hübsch anzusehen ist das Case, praktisch ist es auch, jedoch fast etwas klein, wenn man wie ich die individuellen Ohrpassstücke verwendet.

Klang

Ich habe bei zig verschiedenen Musikstücken wiederholt zwischen den MMX 102 iE und den iDX 160 iE hin- und hergewechselt, und mal abgesehen davon, dass die 160er etwas leiser, aber nach wie vor laut genug sind, tue ich mich schwer, gravierende Unterschiede festzustellen. Beide klingen extrem ausgewogen, kennen keine schrillen Höhen, keine überbordenden Bässe oder schneidende Mitten, die einem das Hören verleiden. Wenn ich den klitzekleinen Unterschied zwischen beiden beyerdynamic-Modellen beschreiben soll, dann würde ich am ehesten sagen, dass die Bässe bei den iDX 160 iE leicht besser konturiert sind. Aber das sind Nuancen. Die Modelle schenken sich hier nicht viel …

Getestet habe ich explizit noch einmal, wie sich die iDX 160 iE mit zwei „schwierigen“ Songs vertragen, die von vielen Lautstprechern und Kopfhörern nicht gerade mit Bravour bewältigt werden.

Song eins ist Tori Amos’ Adaption von Lennon/McCartneys „Happiness is a Warm Gun“ auf „Strange Little Girls (2001). Nicht nur die Lautsprecher meines Autos beginnen beim dem Lied angesichts der übertriebenen Bässe zu vibrieren und zu wummern. Die iDX 160 iE jedoch kommen mit dem Song gut zurecht und lassen den Rest der Musik trotz der überbordenden Bässe nach wie vor detailreich durchkommen.

Song Nummer zwei ist Foreigners „Tooth and Nail“ auf „Agent Provocateur“ aus dem Jahr 1984 – auch nicht gerade ein Meilenstein des Abmischens. Ich mag den Song, aber er ist schrecklich mittenlastig und klingt dadurch blechern. Auf den iDX 160 iE erklingt das Stück jedenfalls deutlich angenehmer als auf meiner Stereoanlage oder als auf den B&W MM-1 an meinem iMac.

Test: beyerdynamic iDX 160 iE

Abb.: Das Hardcase mit den zusammengerollten iDX 160 IE

Letztendlich erfüllen die iDX 160 iE genau das, was für mich beim Klang guter Kopfhörer wichtig ist: Sie sollen nicht schrill klingen und die Ohren damit strapazieren, das Bassfundament muss stimmen, aber darf nicht alles überdecken – beides passiert bei den iDX 160 iE nicht. Und: Sie kommen mit jeglicher Art von Musik zurecht: Klassik, Rock und Pop, aber auch basslastigen Dubstep.

Klar, die Detailauflösung guter Over-Ear-Hörer ist einen Tick besser, deren musikalische Bühne ist größer – aber das kann man bei In-Ear-Kopfhörern mit dem kleinen Akustikwandler auch nicht erwarten. Für mich gehören bei den In-Ears die iDX 160 iE jedenfalls in die absolute Spitzenklasse der Modelle (und es sind einige), die ich bisher in meinen Ohren hatte.

Fazit

120 Euro für In-Ear-Kopfhörer sind kein Pappenstiel, aber geht man davon aus, dass die iDX 160 iE durch das gesplittete Kabel länger halten, dass sie außerdem noch einen Tick besser klingen als die MMX 102 iE, sind die 30 zusätzlichen Euro gut investiert. Natürlich bekommt man auch In-Ears für 30 oder 40 Euro, aber wer es ernst meint mit gutem Klang in den Ohren, gibt sich eben nicht mit Billigprodukten zufrieden – für audiophile Hörer, denen aber auch eine gute Fernbedienungseinheit wichtig ist, sind die iDX 160 iE eine richtig gute Wahl. Die Stärke der iDX 160 iE liegt in deren ausgewogenem, nie aufdringlichem, aber dennoch gut aufgelöstem Klang, der das Hören aller Musikrichtungen unterwegs zum Genuss macht.

Ich schätze In-Ears, weil sie unterwegs dafür sorgen, dass Störgeräusche (z. B. von vorbeifahrenden Autos) stark gedämpft werden. (Dass man sie nicht beim Fahrradfahren verwenden sollte, versteht sich von selbst; und auch zu Fuß sollt man mit wachen Sinnen unterwegs sein). In Verbindung mit den individuellen Ohrpassstücken, die beyerdynamic in Kooperation mit den KIND-Filialen für weitere 120 Euro anbietet, sind die iDX 160 iE jedenfalls ein Traum – für mich nun first choice.

Erst nach Fertigstellung des Testberichts habe ich im Manual der iDX 160 iE gelesen, dass die zwei Verlängerungskabel nicht identisch sind. Eines sollte mit allen Apple-Geräten funktionieren (da habe ich zufällig das richtige erwischt, nämlich das mit den weißen Isolationsringen am Miniklinkenstecker); das andere hat schwarze Isolationsringe (die einzelnen Pole sind hier anders verteilt) und funktioniert tendenziell eher an Nicht-Apple-Geräten. Bei Windows- oder Android-Smartphones muss also ausprobiert werden, welches Verlängerungskabel das richtige ist – anscheinend gibt es hier keine einheitlichen Standards.

Schade, ein Ersatzverlängerungskabel hätte ich gut gefunden – aber das mit den schwarzen Polen funktioniert nicht am iPhone (man hört dann nur einen Kanal und die Fernbedienung ist nutzlos). Ein Ersatzverlängerungskabel lässt sich aber zumindest besorgen und ist deutlich billiger als der Austausch der gesamten In-Ears.

beyerdynamic hat mich darauf hingewiesen, dass die Otoplastiken der MMX 102 iE, die ich auch für die iDX 160 iE verwende, dort nicht zu 100 % passen. Stimmt, die MMX 102 iE stecken ein wenig tiefer in den Otoplastiken drin, dennoch sitzen auch die iDX 160 iE sicher drin – das kleine Spiel, das sie haben, könnte sich geringfügig auf den Klang auswirken, auch wenn mir hier nichts aufgefallen ist.

Wer außerdem alte Otoplastiken verwendet, sollte dringend darauf achten, dass das Luftlöchchen im Klangwandlergehäuse freibleibt (andernfalls kann die Klangmembran kaputt gehen). Das sieht man neben dem Eintritt des Kabels in das Gehäuse.

Wer bei all dem sichergehen will, sollte sich die passenden Otoplastiken für die DX/iDX-Serie kaufen.

alpendeich-Redaktionstipp

Ulf Cronenberg

© Fotos: Ulf Cronenberg

Veröffentlicht von

Was Apple und Zubehörhersteller so alles treiben, interessiert mich schon lange. Und ab und zu habe ich etwas dazu – wie zu einigem anderen, wenn es um Musik oder Fotografie geht – zu sagen …

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