Nikon D750: Pro & Contra – persönliche Erfahrungen nach 3 Jahren

Nikon-D750

Seit gut drei Jahren Jahren habe ich nun meine Nikon D750 privat und halbprofessionell vor allem bei Konzertfotos im Einsatz. Testberichte gibt es im Internet einige, aber interessanter ist für Leser meist eher, wie sich die Kamera im Alltag bewährt hat. Nach 3 Jahren mit der D750 ist es an der Zeit, ein persönliches Fazit zu ziehen und die Stärken, aber auch die Schwächen der Kamera zu benennen.

Die D750 hat damals meine Nikon D700 abgelöst, mit der ich 5-einhalb Jahre völlig zufrieden war. Dennoch war irgendwann klar, dass die D700 im High-ISO-Bereich, den ich für die Konzertfotografie (und oft auch sonst) benötige, nicht mehr up to date ist. Auf Nikon bin ich ja meiner Objektive wegen festgelegt. Ein Systemwechsel kam nicht in Frage, und eigentlich bin ich mit Nikon auch sehr zufrieden. Die D800, der erste Nachfolger, der im Frühjahr 2012 erschienen ist, war mir zu teuer – da kam die D750 im Herbst 2014 genau zur rechten Zeit heraus. 2000 Euro waren natürlich kein Schnäppchen (inzwischen ist die Kamera etwas billiger zu bekommen) – aber so viel kosten hochwertige Kameras eben …

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Beschwerliche Anfänge

Liebe auf den ersten Blick war das mit der D750 nicht. Das etwas schnuckligere Gehäuse als bei der D700 fand ich schon gut. Aber ansonsten lag meine erste Enttäuschung nicht nur daran, dass manches bei der Bedienung anders war. Die Bildqualität fand ich weniger überzeugend als gewünscht.

Aber vielleicht erst noch mal zur Bedienung: Die D700 konnte ich im Schlaf bedienen. Bei der D750 passiert es mir noch heute, dass ich mehrere Anläufe brauche, um bestimmte Dinge zu erledigen – z. B. von der Einzelfokusmessung mit manueller Fokuspunktwahl zum vollautomatischen Autofokus zu wechseln. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber die Bedienung der D700 war intuitiver.

Entsetzt war ich lange von den fotografischen Ergebnissen der D750. Dazu muss ich etwas ausholen: Ich war von Beginn an ein großer Fan von Apples Bildbearbeitungs- und -verwaltungsprogramm Aperture. Immer wieder habe ich andere Programme ausprobiert (darunter den Platzhirsch Lightroom), an die Bedienungsfreundlichkeit von Aperture kam nie ein anderes Profiprogramm heran (das ist bis heute so).

Aperture mochte die RAW-Dateien meiner neuen D750 jedoch nicht, genauer gesagt wandelte Apples RAW Converter die Fotos der D750 einfach nur schlecht um (Genaueres ist hier nachzulesen). Ich war wirklich enttäuscht: Schreckliche braune Matschflecken waren in dunklen Bereichen auf den Bildern auszumachen, der Kontrast war häufig zu hoch, die Farben sahen nicht selten sehr unnatürlich aus  – das alles insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen. Und das bei einer Kamera, die für ihre High-ISO-Performance so von allen über den Klee gelobt worden war?

Tests mit Lightroom zeigten, dass das Programm von Adobe Besseres aus den Fotos der D750 holt (auch wenn ich nach wie vor die Hauttöne, die Lightroom produziert, nicht mag, weil sie etwas leblos wirken). Immerhin hat sich Apple, nachdem ich mehrfach mit dem Support zu tun hatte (ich habe mehrere RAW-Dateien der D750 eingeschickt), angestrengt, seit einem knappen Jahr interpretiert Apples RAW Converter die Fotos der D750 deutlich besser, wenn auch immer noch etwas zu kontrastreich und sehr farbintensiv.

Der Wechsel zu Lightroom musste allerdings sowieso vollzogen werden, denn Apple hatte beschlossen, bei der Bildbearbeitung künftig nur noch auf Consumer und nicht auf Profi zu machen. So wurde die Weiterentwicklung von Aperture eingestellt – was für eine Schande, eine solch tolle Software abzuschießen.

Lightroom – aber das nur am Rande – beherrsche ich inzwischen ganz gut, ich weiß natürlich, dass das Programm mehr aus den Fotos holt als Aperture (das halt einfach nicht weiterentwickelt wurde). Aber so richtig mag ich Lightroom noch immer nicht.

Pro und Contra

Aber zurück zur D750. Was mir an der Kamera gefällt ist Folgendes:

  • Mit ihrem kleinen Body liegt sie gut in der Hand. Die D700 war da doch um einiges klobiger.
  • Die High-ISO-Performance ist wirklich beeindruckend. Bei der D700 war spätestens bei ISO 1600 Schluss, wollte man nicht zu verrauschte Fotos. Mit der D750 fotografiere ich oft mit ISO 3200 und bin beeindruckt, wie wenig die Fotos da rauschen. Klar, das Rauschen ist zu sehen (siehe die folgenden zwei Fotobeispiele), aber mit etwas Bearbeitung in Lightroom sieht alles gut aus.
Cocktailglas (Nikon D750 bei ISO 3200, 1:1-Ausschnitt ohne Bearbeitung)

Cocktailglas (Nikon D750 bei ISO 3200, 1:1-Ausschnitt ohne Bearbeitung)

Nachtaufnahme Bahnhof Utrecht (Nikon D750 bei ISO 3200, 1:1-Ausschnitt aus einem der Fotos unten, ohne Bearbeitung in Bezug auf das Rauschen)

Nachtaufnahme Bahnhof Utrecht (Nikon D750 bei ISO 3200, 1:1-Ausschnitt aus einem der Fotos unten, ohne Bearbeitung in Bezug auf das Rauschen)

  • Die D750 deckt im Sucher 100 % des späteren Fotos ab – da schwächelt die D700, die es nur auf etwas über 90 % schafft.
  • Beeindruckt bin ich immer wieder, was man an Details noch aus den Fotos der D750 durch Nachbearbeitung herausholen kann – das gilt insbesondere für unterbelichtete Bereiche oder gänzlich zu dunkle Fotos.
  • Der Autofokus funktioniert auch unter schlechten Lichtverhältnissen wirklich gut. Für die Konzertfotografie – Beispiele kann man hier sehen  – ist die D750 ein hervorragendes Gerät. Tier- und Sportfotografen schreiben über den Autofokus Ähnliches für ihre Bereiche.

Hervorgehoben wird von anderen Nutzern der D750 das im Neigungswinkel verstellbare Display. Es gefällt vor allem Fotografen, die mit Stativ arbeiten. Ich selbst habe es noch nie beim Fotografieren benutzt. Dass die D750 kein Touch-Display hat, stört mich übrigens nicht die Bohne.

Aber auch die D750 ist nicht perfekt. Was mir fehlt, was ich mir wünschen würde oder was ich kritisiere:

  • Ein integriertes GPS-Modul wäre schon toll gewesen. So muss weiterhin ein Nikon GP-1A oder ein Konkurrenzprodukt auf den Blitzschuh gesteckt werden, um GPS-Daten für die Fotos zu bekommen.
  • Ich weiß bis heute nicht (habe mich aber auch nicht wirklich damit beschäftigt), wie man mit der D750 sinnvoll Videofilme drehen können soll, wenn der Autofokus benötigt wird. Bei der kleinsten Fokusnachjustierung hört man auf der Tonspur dermaßen laut das Objektiv, dass man das vergessen kann. Vielleicht würde ein externes Mikrofon helfen – aber eigentlich filme ich so gut wie nie etwas mit der Kamera.
  • Wie schon oben beschrieben, empfinde ich die Veränderung von Einstellungen über die Buttons und Drehräder nicht immer als intuitiv. Gut, was ich häufig brauche, kann ich inzwischen. Aber bei sonst eher wenig benutzte Funktionen tue ich mich immer schwer.
  • Mit den Ergebnissen der Matrix-Belichtungsmessung war ich bei Fotos von Konzertbühnen, also bei schwierigen Lichtverhältnissen, nicht immer zufrieden – da schien mir die D700 zuverlässiger die richtige Belichtung zu wählen. Aber letztendlich verwende ich fast immer die Spot-Belichtungsmessung, und bei normalen Lichtbedingungen kann ich mich über die Matrix-Belichtungsmessung nicht beschweren.

Und das Fazit?

Nach anfänglichen Umstellungsproblemen bin ich mit der Nikon D750 sehr zufrieden. Sie macht qualitativ gute Fotos und ist gerade im Low-Light-Bereich vergleichsweise unkompliziert. Den 24,3-Megapixel-Vollformatsensor halte ich für den richtigen Kompromiss in Bezug auf Details und Bilddateigröße. Es müssen keine 40 oder 50 Megapixel sein, außer man man will Fotos im Wandtapetenformat kreieren. Den Kauf bereut habe ich jedenfalls nicht. Und auch nach 3 Jahren zählt die Nikon D750 meiner Meinung nach zu den Kameras, die ambitionierte Fotografen, die für eine Vollformatkamera nicht extrem tief in die Tasche greifen wollen, in Erwägung ziehen sollten. Nikon hat inzwischen gute andere Kameras herausgebracht. Aber schaut euch die Preise bei den Vollformat-Kameras an … Meiner Meinung nach sind sie zu teuer, und eine bessere Performance bieten sie so gut wie nicht.

Fotobeispiele

Und hier noch ein paar Aufnahmen, die mit der D750 entstanden sind:

Weitere Foto-Links:

Ulf Cronenberg

P. S.: Wer sich über die fast zwei Jahre alten Kommentare wundert: Der Artikel war früher auf https://www.kontrastkammer.de veröffentlicht und wurde für die Neuveröffentlichung bei Cupertino Dance leicht überarbeitet. Die Kommentare wollte ich aber nicht löschen.

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