Nikon D750: Apple mag die Kamera nicht …

[Update 13.03.2015 – zweites Beispielfoto]

Lange habe ich meiner Nikon D700 die Treue gehalten. Über 5 Jahre war sie meine Standardkamera und hat mir bei der Konzertfotografie gute Dienste geleistet. Doch als die Nikon D750 gerade im High-ISO-Bereich so tolle Besprechungen bekommen hat, habe ich zugeschlagen. Doch schon nach kurzer Zeit stellte sich eine gewissen Ernüchterung ein, denn in Aperture hatten viele Bilder seltsame Flecken.

Aperture ist tot. Ich weiß. Apple hat die Weiterentwicklung des Bildverwaltungs- und Bildbearbeitungsprogramms beendet – zugunsten einer Consumer-App, die bald verfügbar sein wird. Photo.app getauft, wird sie mit OS X 10.10.3 das Licht der Welt erblicken. Dennoch: Mein Plan war, solange bei Aperture bleiben, so lange das Programm noch funktioniert. Denn der Workflow ist mir in Fleisch und Blut übergegangen, hier erreiche ich am schnellsten gute Ergebnisse. Nach wie vor kann ich mich mit Adobes Lightroom einfach nicht anfreunden. Und ich habe es mehrfach probiert.

Doch zurück zur Nikon D750. Wenn Aperture die RAW-Dateien verarbeitet hat, sehen sie oft gruselig aus: zu hohe Kontraste, farbübersättigt. Beides lässt sich beheben. Doch am schlimmsten ist, dass es bei recht dunklen Aufnahmen im Übergangsbereich von Braun- zu Schwarztönen schreckliche rotbraune Artefakte gibt. Und die habe ich bisher mit Bearbeitung nicht wegbekommen.

Ein Beispiel:

Aperture: Braune Flecken bei D750 Raw-Bild

Links seht ihr einen Aufnahmeausschnitt mit Aperture entwickelt, rechts mit Lightroom. Da, wo das Braun der Haare in Schwarz übergeht, wird es rotbraun-dumpfig (das sieht beim Bearbeiten in Aperture übrigens noch schlimmer aus als hier im Screenshot). Das Bild kann man so ja nicht verwenden, und Lightroom schafft das ohne Probleme.

Anfangs dachte ich, mit meiner D750 sei was nicht in Ordnung. Doch da Lightroom hier keine Probleme hat, dürfte es wohl an Apples RAW-Bearbeitung liegen. In iPhoto zeigt sich das Problem zudem genauso. Und in der Beta der Photos.app ist es nicht anders. Schuld ist also mit großer Wahrscheinlichkeit Apples RAW Camera Update.

Die Nikon D750 wird von Apples Camera RAW seit November 2014 unterstützt, inzwischen gab es zwei weitere RAW Camera Updates (erst kürzlich ist Version 6.03 erschienen). Geändert hat sich an dem Problem dadurch gar nichts.

In der Apple Support Community habe ich gefragt, ob jemand die Probleme kennt. Aber anscheinend ist da niemand mit einer D750. Inzwischen habe ich Apple auch über die Feedback-Schiene eine Rückmeldung gegeben. Mal sehen, ob sich langfristig da doch noch was tun wird.

Enttäuschend ist es jedenfalls, dass Apple ein halbes Jahr nach Erscheinen der D750 das Problem nicht behoben hat. Und tut sich da nicht bald etwas, werde ich wohl doch den Umzug zu Lightroom starten müssen. Vielleicht gefällt mir die anstehende Version 6 von Lightroom ja auch besser als Version 5.

Was ich übrigens bei Lightroom im Vergleich zu Aperture am meisten vermisse, ist, dass man keinen Weißabgleich auf Hauttöne machen kann (streng genommen ist das dann natürlich kein Weißabgleich mehr). Da ich fast ausschließlich Menschen fotografiere, ist das ein tolles Feature von Aperture, um bei Hauttönen eine natürliche Farbe zu bekommen (nicht jedes Bild hat ja einen neutralen Graubereich). Hoffnung, dass Lightroom das in Version 6 kann, habe ich aber eher nicht.

Ulf Cronenberg

[Update 13.03.2015]

Für alle, die im obigen Bildausschnitt nichts erkennen konnten – hier die Aperture-Version noch einmal vergrößert in der 100%–Darstellung:

Aperture: Braune Flecken bei D750 Raw-Bild

Wer da nun nicht die Brauntöne erkennt, sollte seinen Monitor mal kalibrieren … 🙂

[/Update]

Veröffentlicht von

Was Apple und Zubehörhersteller so alles treiben, interessiert mich schon lange. Und ab und zu habe ich etwas dazu – wie zu einigem anderen, wenn es um Musik oder Fotografie geht – zu sagen …

17 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Ulf,

    bin ich mit Blindheit „gesegnet“? Wenn ich die Fotos vergleiche, fällt mir auf, dass das rechte, also das LR-Bild heller ist, einen anderen Unterschied sehe ich nicht. Vielleicht siehst du alles dramatischer, weil du es in Aperture siehst?

    Für dich als eingefleischten Aperture-Nutzer ist es wirklich doof, wechseln zu müssen. Als LR-Userin der ersten Stunde, frage ich mich, warum du es nicht schon längst getan hast. 😀

    Bist du denn ansonsten mit der Kamera zufrieden? Ich empfinde etwas ähnliches wie eine Hass-Liebe 😉 Manno, warum gibt es keine D800x mit 24 MP, DAS wäre meine Kamera …

    • Gute Frage, ob ich mit der D750 zufrieden bin. Nach dem überschäumenden Lob in allen Testberichten bin ich eher etwas enttäuscht, denn bei ISO 800 sieht man doch schon eine deutliche Körnung. Lässt sich mit Lightroom problemlos entfernen, aber es wundert mich.

      Beim Handling bin ich noch immer oft im D700-Modus, wenn ich z. B. die ISO-Zahl verändern will. Aber das bessert sich langsam. Dass die Kamera kleiner und leichter ist, gefällt mir schon.

      Was die D750 letztlich kann, wird sich erst noch zeigen, wenn ich Ende Juli und Anfang August wieder Konzertfotos mache. Da bin ich gespannt drauf, denn das ist noch mal was anderes, als hier und da ein bisschen zu fotografieren, wie ich es im Moment mache. Da wird der Autofokus unter schlechten Lichtbedingungen auf die Probe gestellt, der High-ISO-Bereich ebenso, und schließlich allgemein der Umgang mit schwierigen Lichtverhältnissen.

      Die D700 hatte z. B. immer extreme Probleme mit blauen und rosa LED-Scheinwerfern, wie sie auf der Bühne zum Einsatz kommen. Da konnte man die Fotos oft gleich wegschmeißen … Mal sehen, wie das die D750 meistert.

      Was stört dich denn an der D750 besonders, Conny?

  2. Hm, seltsam. Habt ihr keine guten Monitore? Zoomt doch mal in das Bild etwas rein und schaut auch an, wie die Haare vor dem Ohr (da, wo der Brillenbügel beginnt) aussehen … Da ist kein Schwarz, sondern ein Rotbraun. Wenn man die Helligkeit etwas hochsetzt, sieht man es besser …

    Ich kann ja abends (oder morgen) noch mal einen Bildausschnitt ergänzen, wo man das deutlicher sieht. Im Moment geht das nicht, weil ich unterwegs bin.

    • So, ich habe die automatische Helligkeitsregelung ausgeschaltet und auf „volle Pulle“ gedreht. Jetzt sehe ich den Hauch eines Etwas einer Rörtlichfärbung. Hier scheint es mir nicht so schlimm, aber wenn man das bei anderen Motiven noch stärker hat, nervt es natürlich. Immerhin hast du ja ein Tool, das da sauber arbeitet. Lightroom! 😉

  3. Hi Ulf,

    die Färbung sehe ich auf meinem iMac Display schon. Deutlich wird es, wenn man reinzoomt. Krass, dass es solche Unterschiede in der RAW-Konvertierung gibt.

    Mein Workflow ist mittlerweile folgender: RAW Bearbeitung in LR, Export des JPGs und Import in Aperture. Mir gefallen sämtliche Verwaltungsfunktionen in Aperture deutlich besser. Und ich habe LR ein Jahr lang für beides genutzt. Hoffentlich erfährt LR ein komplettes Facelift in der 6er Version. Denn die Features sind trotz des fehlenden „Weißabgleichs“ auf die Hautfarben, den ich auch vermisse, schon deutlich stärker.

    VG

    Markus

    • Hallo Markus,

      wenigstens einer, der die Flecken auf Anhieb gesehen hat … 🙂

      Dein Workflow klingt aber reichlich kompliziert. Aber gut, ich weiß nach wie vor nicht, was ich in Zukunft machen soll. Aber wahrscheinlich komme ich langfristig an einem Wechsel zu Lightroom nicht vorbei. Wenn ich damit arbeite, sehe ich aber immerhin auch, dass Lightroom neben der Objektivkorrektur aber schon auch korrekter und besser als Aperture arbeitet, z. B. bei der Rauschentfernung.

      Viele Grüße, Ulf

      • Ja, der Workflow ist nicht optimal. Aber ich bin einfach zufriedener, wenn ich die Fotos alle in Aperture beisammen habe. Da nehme ich das in Kauf. Zumindest im Moment. Nichts ist für die Ewigkeit 😉

        • Vielleicht wird euch beiden ja die kommende „Fotos“ App von Apple eine neue, kurzzeitige Ewigkeit bieten? 😉

          • Har, har 🙂

            Aber Du wirst lachen: Zum reinen Verwalten und synchron halten der Fotos könnte ich mir das wirklich vorstellen. Denn die Bearbeitungsfunktionen von Aperture nutze ich in der Tat schon länger nicht mehr.

  4. Hi Markus,

    das mit der neuen Fotos-App kann ich mir auch sehr gut vorstellen! Ich mag es, wenn meine iPhone-Bilder nach der Heimkehr auch im iPad – und dann eben auch im Mac landen. Aktuell verwende ich dafür noch iPhoto, aber ich bin jetzt schon sicher, dass mir die neue Fotos-App besser gefallen wird.

  5. Hallo,
    habe oben gelesen, du machst Konzertfotografie. Hast du die Nikon D750 auch schon dafür benutzt? Kannst du mir deine Einschätzung dazu mitteilen, was Autofokus und ISO angeht?
    Grüße
    Moritz

    • Nein, ich hab da leider noch keine Erfahrungen gesammelt, da ich das immer nur im Sommer für 3 Wochen auf dem Würzburger Hafensommer mache, und der beginnt erst nach dem 20. Juli.
      Die Erfahrungen mit hohen ISO-Werten sind ansonsten bisher gut: Das Rauschen ist bei ISO 3200 angenehm und nicht zu stark. Es gibt wenige Artefakte (da schwächelte dann meine alte D700 doch bereits). Zum Autofokus kann ich da noch wenig sagen – da sind Konzerte wirklich eine wichtige Prüfung. Grundsätzlich hängt das oft aber auch von den verwendeten Objektiven ab.
      Viele Grüße
      Ulf

  6. Hallo zusammen

    Für alle die Aperture nachtrauern und sich nicht Adobes Cloud Zwang unter werfen wollen, lege ich Capture One 8 ans Herz. Aperture und Lightroom Bibliotheken sind ohne Einschränkungen importierbar, es ist sehr individualisierbar, sehr kompatibel mit den meisten Kameramodellen und in Anbetracht seiner herausragender Qualitäten preisgünstig.

    Unter http://www.markuswaeger.com/2014/09/25/capture-one-8-der-beste-raw-konverter-aller-zeiten/ ist eine kurze Erklärung mit screencasrs zu finden.

    Zur D750: mein örtlicher Fotohändler stellte sie mir für eine Woche zur Verfügung. Hohe Auflösung, kleinerer Body. Bin nicht warm geworden mit der Kamera und bleibe doch bei meiner D700/D300s Kombi. Etwas älter, aber sie können immer noch mehr als ich kann.

    Eine schöne Zeit und beste Grüsse

    Jürgen

    • Ich hatte mit der D750 auch lange Probleme bei der Umstellung. Aber inzwischen bin ich angesichts ihrer Vorzüge vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen recht angetan. Aber ansonsten war die D700 irgendwie schneller zu begreifen – bei der D750 hatte ich eine viel längere Einarbeitungszeit. Von daher kann ich verstehen, wenn du bei deinem alten Setup bleibst, Jürgen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.