Apple Watch Series 6: Pro & Contra – erster Eindruck (Test)

Apple Watch Series 6

Da hängt sie hinterhalb meines linken Armgelenks und fühlt sich an wie … – genau: wie eine Apple Watch eben. Die Series 6, beim Apple Event „Time Flies“ am 15.9.2020 vorgestellt, – das war gleich klar – ist keine Revolution, das ist höchstens Evolution, vielleicht sogar nur ein Evolutiönchen. Da half es auch nichts, dass die Ankündigung applelike klang, als wäre bei der Series 6 alles neuer und besser. The show must go on. Aber trotzdem, ich kaufe gerne mal eine neue Version der Apple Watch, wenn sie erscheint, verkaufe das bisherige Modell und hab so immer die aktuelle Watch am Handgelenk. Hat sich die Neuanschaffung bei der Series 6 gelohnt?

Das Testmodell: Series 6, 44 mm, Aluminium mit Sportarmband

Ich habe mich bei der Apple Watch Series 6 – wie bisher bei allen Modellen – für die günstigste Variante mit Aluminiumgehäuse entschieden – mehr ist mir eine SmartWatch nicht wert. Umgestiegen bin ich bereits bei meiner letzten Apple Watch vom kleineren auf das größere Modell, weil meine Augen nicht mehr die jüngsten sind. Ohne Lesebrille erkenne ich auf dem 44-mm-Modell einfach mehr. Und außerdem bilde ich mir ein, dass der Akku der größeren Bauform wegen ein bisschen länger hält – wahrscheinlich eine Milchmädchenrechnung, weil das größere Display auch mehr Strom schluckt.

Apple Watch Series 6 - Display

Die Apple Watch Series 6 hat den gleichen Formfaktor wie das Vormodell | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Ungewöhnlich – ihr seht es auf dem vorstehenden Foto: Ich habe meine Apple Watch vor eineinhalb Jahren „umgedreht“. (Nein, das Display ist nach wie vor oben … *grins*) Die Krone ist nun links in Richtung Ellenbogen. In den Einstellungen der Apple Watch unter Allgemein > Ausrichtung lässt sich auswählen, dass man die Uhr links und die Digital Crown (wie es dort heißt) auch links hat. Der Grund dafür: Mir ist es öfter passiert, dass die Seitentaste aus Versehen länger unabsichtlich gedrückt wurde, wenn ich mein Handgelenk nach oben stark angewinkelt hatte (beim Verschränken der Arme) … Und was dann nach mehrere Sekunden passiert, kann je nach Situation etwas unangenehm werden: Die Uhr piepst laut, weil der SOS-Alarm / Notruf runtergezählt wird. Als mir das einmal als Zuhörer bei einem Vortrag passiert ist (peinlich!), habe ich mich schleunigst informiert, was ich dagegen tun kann: Nun mit der Seitentaste und Krone links passiert mir das nicht mehr.

Apple Watch Series 6

Die Series 6 am Handgelenk mit dem neuen Ziffernblatt Tachymeter | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Die Neuerungen der Apple Watch Series 6

Vielleicht sei trotzdem noch mal rekapituliert, was die Apple Watch Series 6 denn nun wirklich Neues zu bieten hat. Zunächst einmal hat sie einen angeblich um ca. 20 % schnellerer Prozessor. Selbst wenn manche Apps Millisekunden schneller starten – viel gemerkt hab ich da nicht an Unterschied zu meinen letzten Modellen (Series 4 und 5). Der Akku hat laut iFixit minimal an Kapazität hinzugewonnen, soll auch etwas schneller geladen werden. Gestrichen wurde dafür (auch vom Betriebssystem watchOS 7) das Feature des Haptic Touch – das heißt, dass ein festeres Drücken auf Display nichts mehr anderes bewirkt als ein langes Drücken. Vermissen tut man da aber nichts.

Apple Watch Series 6 – Messung des Sauerstoffgehalts

Die App zur Messung des Blutsauerstoffgehalts – schick inszeniert … | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Wirklich neu ist allerdings der Sensor auf der Rückseite, weil er nun nicht mehr nur ein EKG erlaubt und sich der Puls messen lässt, sondern auch den Blutsauerstoffgehalt bestimmen kann. Damit hat eine weitere Gesundheitsfunktion in der Apple Watch Einzug gehalten. Wie gut damit wirklich Krankheiten oder Körperfunktionsstörungen erkannt werden, bleibt abzuwarten.

Die Funktion ist jedenfalls etwas nickelig: Ziemlich oft bekommt man von der App bei der Messung des Sauerstoffgehalts (die 15 Sekunden dauert) eine Rückmeldung, dass die Messung nicht erfolgreich war. Die Apple Watch muss für eine erfolgreiche Messung recht eng am Handgelenk und nicht zu weit unten am Handgelenkknochen sitzen.

Der Normbereich für den Sauerstoffgehalt im Blut wird mit 95 bis 100 % angegeben. Meine bisherigen Messungen lagen auch immer dazwischen – von daher kann ich nicht sagen, welche Informationen man bekommt, wenn der Gehalt deutlich tiefer liegt. Spannend wäre natürlich, wenn durch die Messungen nächtliche Apnoen, unter denen nicht wenige Menschen unwissentlich leiden, erkannt würden. Aber ob der Sensor der Series 6 das wirklich kann, ist bisher nicht erwiesen.

Apple Watch Series 6 – Sensor

Der Sensor auf der Rückseite sieht nun etwas anders aus … | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Neu ist zudem, dass sich die Series 6 auf WLAN mit 5 GHz versteht, dass der Luftdruck noch sensibler gemessen wird und somit in der Kompass-App eine genauere Höhenmessung erfolgt. Die Höhe über NN kann man sich sogar in einem Ziffernblatt anzeigen lassen – für Bergwanderungen sicher ein nettes Feature. Erwähnenswert ist außerdem noch eine kleine Verbesserung: Das Always-on-Display leuchtet im nicht aktivierten Zustand etwas heller, was vor allem dem Ablesen der Uhrzeit in der Sonne zugutekommt.

Der Rest sind neue Features, die watchOS 7 mitbringt und die auch auf der Series 5, dem Vormodell, teilweise auch auf älteren Modellen funktionieren: die Handwascherkennung mit dem schmucken Timer (ich wasche seitdem deutlich länger meine Hände); neue Zifferblätter, die mit anderen geteilt werden können; die Familienkonfiguration (puh, die Amerikaner haben anscheinend nichts gegen die Totalüberwachung der Jüngsten) oder das Schlaftracking.

Neue Armbänder für die Apple Watch

Hinzugekommen sind auch dieses Jahr wieder neue Armbänder – darunter am auffälligsten das Solo Loop genannte Armband ohne Schließmechanismus. Falls ihr davon einen Test erhofft habt: Ich muss euch leider enttäuschen, ich wollte kein Solo Loop haben – denn ich kann mir nicht vorstellen, dass das Material über Jahre hinweg nicht doch etwas ausleiert und dann die Apple Watch nicht mehr gut sitzt. Dass gestern einige Berichte durch die Apple-Newsmedien geisterten, die davon berichten, dass bei einigen Bestellern die Armbänder nicht richtig passen, hat im Nachhinein bestätigt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Irrwitzigerweise hat Apple angeblich erst mal verlangt, dass man Solo Loop und Apple Watch gemeinsam zurückschickt – das wurde heute aber anscheinend zurückgenommen.

Apple Watch Series 6 – Verpackung

Die gleiche Verpackung wie bei der Series 5, aber nach wie vor schmuck … | Foto: Ulf Cronenberg, Würzburg

Nein, ich bleibe wegen meiner guten Erfahrungen damit den Sportarmbändern treu (Leder wäre nett, ist mir aber zu teuer). Die Sportarmbänder sind bequem, sie sind wasserfest und ich habe sie in mehreren Farben – froh bin ich, dass Apple nach wie vor die Armbandhalterung nicht verändert hat, so dass man alte Armbänder weiterverwenden kann. Ach ja, ein silbernes Milainese-Armband habe ich auch noch. Das mag ich, weil es stufenlos verstellbar ist, aber der große Nachteil davon ist: Man sollte damit nicht auf einem MacBook tippen, weil das Edelstahl-Armband das Gehäuse unterhalb der Tastatur zu verkratzen vermag.

Fazit

Meine ersten drei Tage mit der neuen Apple Watch Series 6 zeigen, es hat sich nicht viel getan. Die Akkulaufzeit hat sich meiner ersten Einschätzung nach leicht erhöht – aber das mag auch daran liegen, dass die Uhr ganz neu ist. Mit aktiviertem Always-on-Display kommt man durch einen Tag, viel mehr aber auch nicht.

Tja, lohnt sich denn der Umstieg auf die Series 6? Das hängt davon ab, welches Modell ihr bisher habt. Die Unterschiede zur Series 5 (solltet ihr die haben), sind ehrlich gesagt so marginal, dass ich recht deutlich für ein Nein plädieren würde. Der Sauerstoffsensor ist ein Gimmick, das man nicht wirklich benötigt, zumal dessen medizinischer Nutzen noch nicht klar ist. Das leicht hellere Display ist nett, aber den Umstieg nur bedingt wert.

Wer jedoch noch eine Apple Watch Series 4 oder älter am Handgelenk trägt, der würde deutlicher von der neuen Series 6 profitieren: vor allem vom Always-on-Display, vom Kompass, von den möglichen EKG-Messungen und der Sturzerkennung. Und da lautet das Fazit für den Umstieg dann eindeutig: Ja, es würde sich rentieren.

Ulf Cronenberg

P. S.: Fragen zur neuen Apple Watch Series 6 beantworte ich gerne über die Kommentarfunktion! Immer her damit …

Veröffentlicht von

Was Apple und Firmen, die sich im Apple-Universum bewegen, so alles treiben, interessiert mich schon lange. Und ab und zu habe ich etwas dazu – wie zu einigem anderen, wenn es um Musik oder Fotografie geht – zu sagen …

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Ulf,
    ich bin auch an der neuen Apple Watch interessiert, deshalb: Vielen Dank für den Bericht, eine unabhängige Beurteilung ist sowieso besser, als die Werbung des Herstellers! Dein interessanter Artikel beantwortet alle Fragen, die ich zu der neuen Version habe. Ich besitze noch die Serie 0, also die allererste Apple Watch. Sie funktioniert tadellos, kürzlich sah es so aus, als würde der Akku schwach, aber seltsamerweise hat er sich wieder erholt. Leider kann ich keine neue Systemversion mehr verwenden. Das always-on Display ist toll, meine Frau hat es schon (Modell 5). Also wohl auch demnächst bei mir.
    Herzliche Grüße, Jürgen

    • Hallo Jürgen,
      na, von der allerersten Apple Watch zur Series 6 ist das schon ein großer Sprung – aber von deiner Frau kennst du ja bereits ein recht neues Modell. Dann viel Freude damit, wenn sie dann da ist.
      Herzliche Grüße, Ulf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.