App-Tipp: Reeder – immer schön den Überblick über Webseiten behalten …

RSS-IconVor einigen Wochen hat Fabian A. Scherschel bei Heise online den Tod von RSS vorhergesagt und beklagt. Ja, es wäre wirklich tragisch, wenn das Dateiformat für Webseiten-Feeds verschwinden würde, denn ich halte es für die effizienteste Lösung, Webseiten und Blogs, die mich interessieren, zu verfolgen. Die App meiner Wahl hierfür ist Reeder, eine RSS-App, die es für macOS und für iOS gibt und die weiter unten vorgestellt werden soll. Ich möchte nicht darauf verzichten müssen …

Ein paar Infos zu RSS …

Webseiten, die Nachrichten verbreiten, werden in der Regel über Content Management Systeme gepflegt. Das Prinzip ist einfach: Die neuesten Nachrichten (oft gruppiert nach Untergruppen) verdrängen ältere und lassen sie nach unten rutschen. So hat man als Leser immer die neuesten Nachrichten im Blick – ältere Nachrichten gehen nicht verloren, aber werden nach hinten (quasi ins Archiv) verschoben.

Natürlich kann ich – nehmen wir ein Beispiel – die Webseite der Süddeutsche Zeitung mehrmals am Tag aufrufen und schauen, was neu ist und was ich schon gelesen habe – ja, es gibt sogar eine App von der SZ für iOS dafür. Aber das ist vergleichsweise unkomfortabel. Wenn ich mal zwei oder mehr Tage nicht geschaut habe, werde ich – um nur einen Nachteil zu nennen – bisher ungelesene Artikel nicht mehr auf der Startseite finden.

Außerdem folge ich einigen Blogs, wo nur alle paar Wochen oder sogar Monate ein neuer Beitrag erscheint. Täglich gucken, ob es einen neuen Artikel gibt, wäre umständlich … Ich würde es aber gerne wissen, wenn es was Neues zu lesen gibt. Wie schaffe ich das am komfortabelsten?

Die meiner Meinung nach wirkungsvollste Abhilfe schafft ein Newsreader oder RSS-Programm, das mir bei abonnierten Webseiten oder Blogs alle Artikel anzeigt, die seit dem letzten Durchsehen dazugekommen sind. Das können bei SZ online, wenn es drei Tage sind 100 und mehr neue Artikel sein, wenn es vor 2 Stunden war, sind es vielleicht nur vier oder sechs. Praktisch. Und wenn eins der besagten Blogs mit neuen Inhalten ab und zu was Neues zu bieten hat, wird mir das im Newsreader kurz darauf präsentiert.

Angezeigt werden mir – je nach Einstellungen im verwendeten Newsreader – erst mal nur die Überschriften und vielleicht noch eine kurze Zusammenfassung des Artikels. Was mich interessiert, kann ich dann ganz lesen … – sofern Zeitungen wie die SZ nicht eine Paywall haben. Paywall? Ja, inzwischen sind viele Artikel der großen Medien (Zeitungen, Magazine etc.) nicht mehr kostenfrei zu lesen. Ich muss mich über einen Abozugang einloggen oder eben für Artikel etwas bezahlen. Manchmal ist immerhin eine bestimmte Anzahl an Artikeln kostenlos lesbar …

Die Technik hinter RSS muss hier nicht weiter beleuchtet werden. Wichtig ist vielleicht, dass die meisten Content-Management- und Blog-Systeme (wie z. B. das von mir hier verwendete WordPress) einen RSS-Feed automatisch integriert haben. Das heißt, dass ich Nachrichtenseiten und Blogs in der Regel auch von einem RSS-Reader durchsuchen lassen und sie somit verfolgen kann.

Meine App der Wahl: Reeder

Ich habe im Laufe der Zeit schon einige Newsreader ausprobiert, aber hängen geblieben bin ich seit vielen Jahren bei Reeder vom Schweizer Entwickler Silvio Rizzi (Webseite des Entwicklers). Damit Reeder zwischen verschiedenen Geräten synchron gehalten werden kann, benötigt man einen RSS-Dienst – wer nur ein Gerät verwendet, kann Reader auch ohne Synchronisationsdienst nutzen. Laut Webseite von Reader werden derzeit folgende RSS-Dienste unterstützt: Feedbin, Feedly, Feed Wrangler, FeedHQ,
NewsBlur, The Old Reader, Inoreader, Minimal Reader, BazQux Reader, Fever, Readability and Instapaper. In meinem Fall habe ich mich für Feedly (Webseite mit Anmeldemöglichkeit) entschieden. Da muss man sich kostenlos anmelden. Grundsätzlich kann man Feedly dann auch über einen Browser benutzen, aber mit Reeder ist es deutlich komfortabler.

Reeder - macOS-Version

So sieht Reeder als App in macOS aus – die Farbgebung lässt sich auch verändern, ich bevorzuge aber ein schlichtes Design.

Hat man einen RSS-Dienst gewählt und eingerichtet, kann es losgehen. Will ich einem Blog oder einer anderen Webseite folgen, so gehe ich auf Add Subscription, gebe die Internetadresse ein und Reeder bietet mir automatisch den RSS-Feed (oder falls vorhanden: mehrere Feeds) der Webseite zur Auswahl an. Das sieht z. B. so aus:

Reeder – New Subspription

Bei einem WordPress-Blog wie hier kann man z. B. entweder die Artikel oder alle Kommentare abonnieren …

So kann man nun verschiedene Webseiten in seinem RSS-Programm hinzufügen und wird ab sofort, wenn man Reader öffnet oder aufruft, auf alle neuen Artikel und Nachrichten hingewiesen. Also, ein neues tolles Fotoblog entdeckt, dem ich folgen will? Ab in Reeder damit. Das dauert ca. 20 Sekunden. Der Aktualisierungszeitraum, also in welchem Abstand Reeder im Hintergrund nach neuen Artikeln sucht, lässt sich übrigens einstellen. Bei mir sind es 30 Minuten.

Die Funktionsweise von Reeder ist dann eigentlich so gut wie selbsterklärend: Präsentiert bekommt man in der linken Spalte erst mal die Webseiten mit neuen Artikeln. Im zweiten Schritt kann man dann dort die neuen Artikel durchforsten. Wählt man einen aus, so sieht man im rechten Fensterteil eine kurze Zusammenfassung des Inhalts. Will man den Eintrag lesen, so lässt sich dieser entweder im integrierten Browser (der auf Safaris Renderengine zurückgreift) lesen oder mittels Tastaturkurzel in einem externen Browserfenster öffnen.

Wenn man es will, lässt es Reeder auch zu, dass man nicht die Webseite, sondern deren Reader-Ansicht (genutzt wird hier unter iOS der Safari Reader, unter macOS der Mercury Reader) zu sehen bekommt. Das hat den Vorteil, dass man nur Text und Bilder, nicht aber Werbung eingeblendet sieht. Meist funktioniert das auch ganz gut.

Browseransicht in Reeder

So sieht die geöffnete Webseite dann in Reader aus …

Reeder kennt darüber hinaus viele weitere Features, die hier gar nicht alle beschrieben werden können – hier eine kleine Auswahl:

  • Es lassen sich Artikel/Nachrichten mit Sternen bewerten. Das heißt, dass sie quasi archiviert werden. So kann man Artikel aufbewahren, die man später wieder braucht.
  • Die Tastaturkürzel lassen sich verändern. Allerdings lässt sich Reeder mit den Voreinstellungen sehr gut über die Tastatur bedienen (zumindest in der macOS-Version) – für mich ein großes Plus des Programms. Eine Bedienung nur mit der linken Hand geht ohne Probleme (so dass die recht Hand auf der Maus oder dem Trackpad bleiben kann).
  • Man kann aus Reeder heraus Artikel teilen – auch hier gibt es eine große Liste an unterstützten Diensten: von Facebook über Instapaper bis hin zu den üblichen Diensten von Apple (iMessage, AirDrop, Mail).
  • Auch die Ansicht lässt sich verändern – dafür gibt es mehrere Voreinstellungen. Wer also lieber weißen Text auf schwarzem Hintergrund (oder umgekehrt) liest, kann sich das so einstellen.

Das Fazit

Reeder ist von allen von mir bisher getesteten RSS-Programmen und -Apps mit Abstand die beste, weil sie durchdacht ist und Einsteiger wie Profis zufriedenstellt. Wer wie ich ein kleiner Info-Junkie ist und nichts verpassen will – auf Blogs und auf Nachrichtenseiten –, der kommt meiner Meinung nach um ein RSS-Programm nicht herum. Es gibt keine zuverlässigere und demokratischere Form, auf dem Laufenden zu bleiben. Demokratisch? Ja, denn hier selektiert niemand vor, wo ich mich informieren und was ich lesen will. Das ist bei Facebook oder Newsmagazinen (seien sie von Apple, Google oder wem immer) anders.

Bei Apple-Geräten ist meiner Meinung nach Reeder jedenfalls das Nonplusultra für RSS (nein, ich bekomme für diese Aussage nichts). Es gibt allerdings auch ein paar Dinge, die ich gerne bei Reeder verbessert hätte. Dazu zählt, dass man je nach Webseite bestimmen kann, ob die Reader-Ansicht oder die Webseite geöffnet ist (Safari kann das). Ich hätte auch gerne eine bessere Tastaturbedienung für die iOS-Version (die ist bisher nur rudimentär). Und auf dem iPad versagt seit einigen Monaten ab und zu (also so alle 3 bis 4 Tage) die Reader-Ansicht. Das lässt sich nur mit einem Neustart des Geräts beheben.

Angekündigt ist, dass im Laufe des Jahres Reeder 4 erscheinen wird – laut Entwickler wieder als Bezahl-App, nicht als Abo. Seit dieser Ankündigung ist Reeder auf beiden Apple-Plattformen kostenlos. Wer die Apps also testen will, hat dafür jetzt die beste Gelegenheit. Und bei Gefallen muss man dann für Version 4 eben ein bisschen was löhnen. Aber Silvio Rizzi hat es verdient, für Reeder bezahlt zu werden.

Ulf Cronenberg

Donwnload-Links für Reeder 3:
– AppStore-Link (Mac)
iTunes App Store (iOS)

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Was Apple und Firmen, die sich im Apple-Universum bewegen, so alles treiben, interessiert mich schon lange. Und ab und zu habe ich etwas dazu – wie zu einigem anderen, wenn es um Musik oder Fotografie geht – zu sagen …

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Danke, Ulf für den Artikel! RSS war mir immer bewusst, aber ich habe mich nie damit beschäftigt, sondern täglich meine Bookmarks in Safari durchgeklickt. Reeder habe ich jetzt auch installiert.
    Viele Grüße, Jürgen

    • Hallo Jürgen,
      dann berichte doch mal nach ein paar Wochen, welche Erfahrungen du damit gemacht hast …
      Das mit den Bookmarks habe ich früher auch gemacht. Aber irgendwann waren es einfach zu viele, und da kam mir RSS (damals anfangs mit NetNewsWire, das es immer noch gibt und das gut war, aber iOS verschlafen hat) gerade recht.
      Viele Grüße
      Ulf

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